Vater des Hanau-Attentäters verstorben: Hans-Gerd Rathjen starb mit 78 Jahren
Die Stadt Hanau hat den Tod von Hans-Gerd Rathjen (78) bekannt gegeben. Der Vater des rechtsextremen Hanau-Attentäters Tobias Rathjen ist verstorben. Die genaue Todesursache des Rentners ist nicht öffentlich gemacht worden. Sein Sohn hatte am 19. Februar 2020 in Hanau neun junge Menschen mit ausländischen Wurzeln ermordet, bevor er seine Mutter und sich selbst tötete.
Rechtsextreme Verstrickungen und Gerichtsverfahren
Hans-Gerd Rathjen selbst geriet nach der schrecklichen Tat seines Sohnes immer wieder in die Schlagzeilen. Im Jahr 2024 musste er sich vor dem Amtsgericht Hanau verantworten. Die Richterin Clementine Englert verurteilte ihn wegen Volksverhetzung, Beleidigung, Nötigung und weiterer Delikte zu einer hohen Geldstrafe. In ihrer Urteilsbegründung stellte die Richterin klar, dass der Angeklagte "zweifelsohne rassistisch" sei und die Menschenwürde von Migranten "böswillig verächtlich gemacht" habe.
Das Urteil war bis zuletzt nicht rechtskräftig, da sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatten. Durch den Tod des Angeklagten hat sich das Berufungsverfahren nun erledigt. Bereits in früheren Verfahren war Hans-Gerd Rathjen vom Amts- und Landgericht Hanau wegen Beleidigung rechtskräftig zu Geldstrafen verurteilt worden.
Auffälliges Verhalten vor Gericht und danach
Während des Prozesses 2024 sorgte Hans-Gerd Rathjen für Aufsehen, als er am zweiten Verhandlungstag polizeilich vorgeführt werden musste. Der Angeklagte verbrachte die Gerichtssitzung stundenlang auf dem Boden liegend. Auch nach der Tat seines Sohnes zeigte er ein provokantes Verhalten:
- Er näherte sich trotz Verbots einer Angehörigen eines Opfers
- Er legte sich regelmäßig mit Behörden an
- Gegen bereits erlassene Strafbefehle erhob er Einspruch
Reaktionen aus Hanau und juristische Einordnung
Der Oberbürgermeister von Hanau, Claus Kaminsky (66, SPD), bezeichnete den 19. Februar 2020 als "den dunkelsten Tag in Friedenszeiten für unsere Stadt". In einer aktuellen Mitteilung betonte er: "Wir werden diesen Tag niemals vergessen. Das Datum steht als Mahnung, dass wir gemeinsam gegen jede Form von Rassismus, Hass, Hetze und Gewalt zusammenstehen."
Kaminsky wies darauf hin, dass die Folgen des Anschlags bis heute spürbar seien. Überlebende und Angehörige hätten über Jahre hinweg unter massiven Belastungen gelitten. Die Situation sei zusätzlich durch das Verhalten des Vaters des Täters geprägt gewesen, das zu verschiedenen Betretungs- und Näherungsverboten sowie zu Gerichtsverfahren gegen ihn geführt habe.
Der Anwalt von Hans-Gerd Rathjen, Johannes Hock, kommentierte den Tod seines Mandanten gegenüber Medien mit den Worten: "Das ist eine menschliche Tragödie. Herr Rathjen hat seinen Sohn und seine Frau verloren, das hat ihn gebrochen."
Die Stadt Hanau und die betroffenen Familien trauern weiterhin um die neun jungen Opfer des rassistischen Attentats vom Februar 2020. Die Ereignisse um Vater und Sohn Rathjen bleiben als trauriges Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte in Erinnerung.



