Polizeizeugen schildern dramatische Minuten nach Verdi-Anschlag
Im Prozess gegen Farhad N. (25) haben am sechsten Verhandlungstag mehrere Polizisten als Zeugen ausgesagt. Sie berichteten über die chaotischen Minuten nach dem Anschlag auf eine Verdi-Demonstration in München, bei dem eine Mutter und ihr Kind starben sowie 44 weitere Teilnehmer verletzt wurden, einige davon lebensgefährlich. Die Beamten schilderten eine explosive Mischung aus Panik und Wut in der Menge.
"Ich habe nur einen großen Fehler gemacht"
Besonders bemerkenswert war die Aussage mehrerer Polizisten, dass der mutmaßliche Täter Farhad N. kurz nach seiner Festnahme gesagt haben soll: "Ich habe in meinem Leben nur einen großen Fehler gemacht und das war gerade eben." Dieser Satz fiel, nachdem der afghanische Staatsangehörige seinen Mini Cooper in die Demonstration gelenkt hatte. Die Ermittler gehen von islamistischem Terrorismus als Motiv aus.
Chaos und Aggression am Tatort
Ein 32-jähriger Polizist beschrieb, wie die Stimmung nach dem Anschlag umschlug. Die anfängliche Panik verwandelte sich in blanke Wut, als ein Demonstrant mit einer Fahnenstange auf die Windschutzscheibe des Fahrzeugs einstach. Beleidigungen seien gefallen, die Menge war äußerst aufgebracht. Aus Sicherheitsgründen trugen die Beamten den Festgenommenen in einen nahegelegenen Hinterhof, doch selbst dort konnten Schaulustige von ihren Balkonen das Geschehen verfolgen.
Ein weiterer Polizeibeamter berichtete, dass Farhad N. nach seiner Festnahme "in Dauerschleife" "Ya Allah" gerufen habe. Daraufhin brachten ihn die Einsatzkräfte in eine Unterführung, um ihn von der aufgebrachten Menge zu isolieren.
Verzweifelte Rettungsversuche
Die Polizisten schilderten auch ihre verzweifelten Bemühungen, den Verletzten zu helfen. Ein 25-jähriger Beamter erinnerte sich, wie er einer Frau half, ihr Bein aus dem Radkasten des Autos zu befreien. Die Frau hatte starke Schmerzen, stöhnte und verlor vorübergehend das Bewusstsein.
Besonders bewegend war der Bericht eines Polizisten über ein kleines Mädchen: "Sie war blass, hatte blaue Lippen und einen starren Blick." Der Beamte ging zunächst davon aus, dass das Kind bereits tot sei, da es nicht mehr atmete. Das Mädchen lag auf einem flach gelegten Kinderwagen.
Gedenken zum Jahrestag
Am Freitag jährt sich der Anschlag, den Verdi als schwersten Angriff auf eine gewerkschaftliche Veranstaltung in der Nachkriegsgeschichte bezeichnet. Die Stadt München und die Gewerkschaft haben für 13 Uhr am Tatort in der Seidlstraße zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen.
Oberbürgermeister Dieter Reiter wird dort sprechen und sagte bereits: "Das Leid und die Folgen des Anschlags begleiten unsere Stadt bis heute – am Jahrestag werden Schmerz und Erinnerung besonders spürbar." Erwartet werden neben offiziellen Vertretern auch Teilnehmer der damaligen Demonstration und Überlebende des Anschlags.
Prozessverlauf
Das Landgericht München hat weitere Verhandlungstermine anberaumt. Der Prozess gegen Farhad N. soll voraussichtlich bis zum 12. August 2026 dauern. Die Aussagen der Polizeizeugen markieren einen wichtigen Punkt in dem Verfahren, da sie erstmals ein mögliches Bedauern des Angeklagten dokumentieren.



