Schwere Vorwürfe in Berlin-Neukölln: Jugendzentrum nach mutmaßlicher Vergewaltigung geschlossen
Nach schwerwiegenden Vergewaltigungsvorwürfen in einem Jugendzentrum im Berliner Bezirk Neukölln hat Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) deutliche Konsequenzen gefordert. Die zuständige Senatorin sieht klare Verstöße gegen Kinderschutzgrundlagen und verlangt vom Bezirk umgehende Maßnahmen.
Personelle Konsequenzen und Freistellungen gefordert
Im Bildungsausschuss des Berliner Senats erklärte Günther-Wünsch, dass die Leiterin sowie Mitarbeiter des Jugendamtes aus ihrer Sicht bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge freigestellt werden müssten. Die CDU-Politikerin forderte die zuständige Bezirksstadträtin Sarah Nagel (Linke) auf, entsprechende Schritte zu veranlassen. „Weil momentan im Raum steht, dass bewusst Rechtsgrundlagen im Sinne des Kinderschutzes eines minderjährigen Mädchens missachtet worden sind“, betonte die Senatorin nachdrücklich.
Ermittlungen zu mutmaßlichen Übergriffen laufen
Den Vorwürfen zufolge soll eine 16-jährige Jugendliche Ende des Jahres 2025 in dem Jugendzentrum von mehreren Teenagern vergewaltigt und später weiter bedrängt worden sein. Erstaunlicherweise erfuhr die Polizei erst am 23. Januar 2026 durch eine Anzeige des Vaters von dem mutmaßlichen Verbrechen. Weder die betroffene Einrichtung noch das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln hatten zunächst Strafanzeige erstattet.
Inzwischen haben das Berliner Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft umfangreiche Ermittlungen zu dem Vorfall aufgenommen. Das Jugendzentrum selbst bleibt seit vergangenem Freitag geschlossen, wie der Bezirk mitteilte.
Frühere Meldungen über sexuelle Übergriffe bekannt
Laut Medienberichten des „Tagesspiegel“ und der RBB-„Abendschau“ bestätigte Bezirksstadträtin Sarah Nagel im Jugendhilfeausschuss der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung, dass das Jugendamt bereits Anfang des Jahres 2025 erste Meldungen über sexuelle Übergriffe auf Mädchen erhalten habe. Im Nachhinein betonte Nagel, dass das Jugendamt aus ihrer Sicht „früher und konsequenter eingreifen“ hätte müssen.
Die Stadträtin räumte ein, dass die Träger der involvierten Jugendclubs „zu viel Verantwortung übernehmen mussten“. Nach Angaben des Bezirks wurde das Jugendamt am 28. Januar 2026 über die schwerwiegenden Vorfälle informiert, während die zuständige Bezirksstadträtin selbst erst am 2. März davon erfuhr.
Gespräche auf Senatsebene und offene Fragen
Am Mittwoch fand im Haus der Senatorin unter Leitung von Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) ein wichtiges Gespräch statt. Teilnehmer waren neben dem Bezirk und der Jugendamtsleiterin auch Mitarbeiter des Trägers sowie Vertreter der zuständigen Polizei. „Es ist sehr deutlich geworden, dass die Grundlagen des Kinderschutzes, auch Rechtsgrundlagen, deutlich missachtet worden sind“, erklärte Senatorin Günther-Wünsch zu den Ergebnissen des Treffens.
Ihr Ressort habe im Nachgang zu dem Gespräch zahlreiche offene Fragen, die nun dem Bezirk und der Einrichtung gestellt würden. Die Senatorin betonte die Dringlichkeit einer lückenlosen Aufklärung.
Kontroverse um mögliche Strafanzeige-Verzögerung
Jugendstaatssekretär Falko Liecke hatte in der „Bild“-Zeitung den Verdacht geäußert, der Vorfall sei von Betreuern möglicherweise bewusst nicht gemeldet worden, um die mutmaßlich muslimischen Täter nicht zu stigmatisieren. Dies wies Stadträtin Nagel jedoch entschieden zurück: „Der Hintergrund der Täter spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen, wie dies in diversen Medienberichten behauptet wird.“
Im Neuköllner Ausschuss erklärte Nagel laut „Tagesspiegel“, dass es zunächst durchaus Vorbehalte gegeben habe, dass alle männlichen Besucher des Jugendclubs – unabhängig von ihrer Herkunft – stigmatisiert und „unter Generalverdacht gestellt“ werden könnten, da die Identität des Täters erst später bekannt geworden sei.
Maßnahmen und Schutzkonzepte in Überprüfung
Jugendstadträtin Nagel kündigte umfassende Überprüfungen an. Sowohl die Schutzkonzepte der betroffenen Einrichtungen als auch interne Strukturen und Abläufe würden aktuell intensiv geprüft. Zudem werde ein Konzept für Schulungen zur Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erstellt, wie die Linken-Politikerin Anfang der Woche mitteilte.
Nach früheren Angaben von Nagel hatte das Jugendamt zunächst entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn dafür auch das Einverständnis des Opfers vorliege. Die betroffene Jugendliche werde „im gegenseitigen Einverständnis durch einen qualifizierten Träger der Mädchenarbeit betreut, der das Vertrauen des Opfers hat“, so die Stadträtin.
Die Aufarbeitung der Vorfälle und die Sicherstellung des Kinderschutzes in Jugendzentren bleiben vorerst zentrale Themen für die Berliner Politik und Jugendbehörden.



