Vier Verdächtige nach Brandanschlag auf Berliner Strommasten ermittelt
Rund sechs Monate nach dem mutmaßlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung eines Berliner Technologieparks hat die Polizei vier Verdächtige identifiziert. Bei einer groß angelegten Razzia durchsuchten Polizeibeamte seit den frühen Morgenstunden insgesamt 17 Wohnungen und andere Räumlichkeiten in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Kyritz in Brandenburg. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin koordinierte den Einsatz, an dem etwa 500 Polizisten beteiligt waren.
Verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen
Den vier Beschuldigten im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren wird verfassungsfeindliche Sabotage zur Last gelegt. Sie sollen durch den Brandanschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten den folgenschweren Stromausfall verursacht haben. Von der Unterbrechung waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und etwa 2.000 Gewerbebetriebe betroffen. Die Verdächtigen wurden jedoch nicht festgenommen, da Haftbefehle nur bei dringendem Tatverdacht und entsprechenden Beweisen erlassen werden können.
Millionenschäden für Tech-Unternehmen
Am 9. September 2025 hatte ein nächtliches Feuer Starkstromkabel im Südosten Berlins weitgehend zerstört. In einem Bekennerschreiben im Internet wurde von einem gezielten Angriff auf den Technologiepark Adlershof und die dort ansässigen Firmen und Forschungseinrichtungen gesprochen. Diese Unternehmen sind in den Bereichen Informationstechnologie, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und Rüstungsindustrie tätig. Nach aktuellen Schätzungen entstanden bei den betroffenen Firmen Schäden zwischen 30 und 70 Millionen Euro.
Linksextremistischer Hintergrund
Der Brandanschlag wird nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet. An der Aufklärung war das Bundesamt für Verfassungsschutz maßgeblich beteiligt. Nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ richtete sich der Polizeieinsatz gegen eine anarchistische Gruppe. Eine Rolle soll auch ein anarchistisches Magazin einer kleinen Gruppe aus Bayern gespielt haben.
Keine Verbindungen zu zweitem Anschlag bekannt
Über mögliche Verbindungen der mutmaßlichen Täter zu dem zweiten großen Brandanschlag auf Starkstromkabel in Berlin am 3. Januar und den sogenannten Vulkangruppen ist bisher nichts bekannt. Diese Gruppen hatten den Anschlag für sich reklamiert. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte: „Wir beobachten die linksextremistische Szene seit den Anschlägen auf die kritische Infrastruktur in Zusammenhang mit Adlershof und dem 3. Januar sehr genau.“ Die Sicherheitsbehörden seien dazu in einem engen Austausch.
Umfangreiche Durchsuchungen und Beschlagnahmungen
Bei der Razzia durchsuchte die Polizei Räumlichkeiten in den Berliner Bezirken Mitte, Neukölln, Treptow-Köpenick, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow, zwei Wohnungen in Hamburg sowie je eine Wohnung in Düsseldorf und Brandenburg. Die Beamten beschlagnahmten zahlreiche Beweismittel, darunter Handys, Laptops, Unterlagen und diverse weitere elektronische Geräte. Vor einigen Häusern in Berlin, die der linksradikalen Szene zugeordnet werden, standen am Morgen vermummte Polizisten. Auch eine anarchistische Bibliothek in Kreuzberg war im Visier der Ermittler.
Politische Reaktionen und Ermittlungsfortschritte
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zeigte sich zufrieden mit den Ermittlungsfortschritten: „Der Ermittlungsdruck auf die linksextremen Täter der Anschläge in Adlershof und Steglitz-Zehlendorf sowie ihre Hinterleute wurde deutlich erhöht.“ Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte: „Die heutigen Durchsuchungen zeigen, dass wir jeden Hinweis mit höchster Priorität verfolgen. Wer unsere kritische Infrastruktur angreift, greift die Sicherheit unserer gesamten Stadt an.“
Steigende Intensität linksextremer Anschläge
Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, wies Anfang März darauf hin, dass Gewalttaten und Angriffe auf Infrastruktur durch Linksextremisten seit einigen Jahren nicht unbedingt in der Zahl, aber sehr wohl an Intensität zunehmen. Dies zeigten etwa die Taten der sogenannten Hammerbande sowie die Brandanschläge auf die Stromversorgung und andere Infrastruktureinrichtungen. Münch verwies auch auf die militante linksextremistische Initiative „Switch off“, die seit mehreren Jahren zu Sabotageakten aufrufe.
Ermittlungsgruppe „EG Spannung“
Vorausgegangen war laut Staatsanwaltschaft die Arbeit der eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe „EG Spannung“ im Landeskriminalamt Berlin. Es geht um den Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage, Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Brandstiftung. Anfang Oktober hatte die Polizei bereits einen Teil der Berliner Stadtautobahn gesperrt, um am Rand nach Spuren oder Beweisen im Zusammenhang mit dem Anschlag zu suchen.



