Elternfrage: Einmischen oder Raushalten beim Klettern?
Einmischen oder Raushalten beim Klettern?

Die Frage des Tages: Einmischen oder Raushalten?

Wann wird ein gut gemeinter Warnruf zur Einladung ins Unglück? Reporter Matthias Lanin fragt sich das – und ob man es jemals wissen kann, wenn man kein Orakel ist.

Meine Tochter klettert. Sie ist einen Meter groß und sehr entschlossen. Eine Sprosse, zwei Sprossen. Sofort taucht die Frage auf, die jeder Vater kennt. Rufen oder schweigen?

Reflexe schaden meistens

Die meisten Eltern rufen. Das ist keine bewusste Entscheidung, eher ein Reflex. Und wie alle Reflexe landet er genau dort, wo er am meisten schadet. Wer schweigt, fühlt sich verantwortungslos. Wer ruft, wird Teil der Geschichte. Der Warnruf ist beides auf einmal: eine Warnung vor dem Unglück und eine Einladung dazu. Das gilt für Klettergerüste genauso wie für Pfützen oder volle Saftbecher.

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Ich rufe. „Vorsichtig!“ Das hilft nicht. Das Mädchen dreht den Kopf, der Kopf ist schwer, die Hand löst sich. Dann fällt, was fallen muss. Von der ersten Sprosse. Direkt in den Sand. Es liegt, wie es liegt. Der Sand federt. Das war der Plan.

Lächeln und Plätzchen backen

Das Geschrei ist beachtlich, die Verletzung gleich null. Beim Trösten geht mir die Frage nicht aus dem Kopf: Wäre meine Tochter auch ohne die Warnung abgerutscht? Niemand fragt und niemand antwortet. Die Frage bleibt dort, wo sie hingehört: im Kopf des Vaters, der mit einem weinenden Kind im Sandkasten sitzt.

Vielleicht ist das die ganze Lehre. Eltern sehen das Unglück kommen, weil sie es ankündigen. Der Warnruf ist oft die Anleitung dazu. Und manchmal, das ist der gnädige Teil der Geschichte, ist das Unglück nur eine Sprosse hoch.

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