Deutsche Welle erneut mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert
Die Deutsche Welle sieht sich erneut mit schwerwiegenden Vorwürfen antisemitischer Äußerungen innerhalb ihrer Arabisch-Redaktion konfrontiert. Aktuell prüft der internationale Sender die Zusammenarbeit mit zwei arabischen Journalisten, nachdem entsprechende Posts in sozialen Medien bekannt wurden. Dies ist bereits der zweite größere Vorfall dieser Art innerhalb von fünf Jahren und wirft erneut Fragen nach der Wirksamkeit der internen Kontrollmechanismen auf.
Details zu den aktuellen Vorwürfen
Bei den betroffenen Personen handelt es sich um eine freiberufliche Mitarbeiterin, die gelegentlich aus dem Irak für die Deutsche Welle berichtet hatte, sowie um einen freien Mitarbeiter aus dem Gazastreifen. Die Bild-Zeitung hatte zunächst auf entsprechende Beiträge der beiden Journalisten in sozialen Netzwerken aufmerksam gemacht. Demnach soll der Mitarbeiter aus dem Gazastreifen islamistische Terroristen öffentlich als "Freiheitskämpfer" bezeichnet haben.
Die Deutsche Welle betont in einer offiziellen Stellungnahme, dass diese Vorwürfe nicht die reguläre Berichterstattung in den eigenen Sendungen betreffen würden. Die redaktionellen Inhalte unterlägen einem strengen Betreuungs- und Abnahmeprozess, der unter anderem das sogenannte "6-Augen-Prinzip" bei Nahost-Themen vorsieht. Dieser Prozess solle die Qualität und Neutralität der journalistischen Arbeit gewährleisten.
Verbesserte Richtlinien zeigen offenbar Lücken
Nach den Antisemitismusvorwürfen im Jahr 2021 hatte die Deutsche Welle ihren Verhaltenskodex für feste und freie Mitarbeiter deutlich verschärft und ein umfassendes Konzept des wertebasierten Recruitings eingeführt. Dieses sieht unter anderem eine systematische Social-Media-Prüfung vor, bei der öffentliche, beruflich genutzte Accounts der letzten sechs Monate überprüft werden.
Dennoch scheinen diese Maßnahmen nicht ausreichend gewirkt zu haben, wie der aktuelle Fall zeigt. Entweder waren die formulierten Richtlinien nicht scharf genug oder ihre Einhaltung wurde nicht mit der notwendigen Sorgfalt kontrolliert. Nach den Untersuchungen von 2021 mussten damals fünf Personen die Arabisch-Redaktion verlassen. Ob die beiden aktuell betroffenen Journalisten ebenfalls ihre Zusammenarbeit mit dem Sender beenden müssen, wird nun in einer internen Prüfung geklärt.
Hintergrund und finanzielle Herausforderungen
Die Deutsche Welle ist eine bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts mit Hauptsitzen in Bonn und Berlin. Im Gegensatz zu ARD, ZDF und Deutschlandfunk wird sie direkt über Steuermittel finanziert. Ihr Programm richtet sich an ein weltweites Publikum und wird in mehr als 30 Sprachen produziert – von Arabisch über Hindi bis Ukrainisch.
Die aktuellen Vorwürfe kommen zu einem finanziell angespannten Zeitpunkt für den Sender. Wie bereits im Februar bekannt wurde, muss die Deutsche Welle in diesem Jahr Einsparungen in Höhe von 21 Millionen Euro realisieren, was etwa 160 Vollzeitstellen betrifft. Diese budgetären Einschränkungen könnten auch die Ressourcen für umfassende Background-Checks bei neuen und bestehenden Mitarbeitern beeinflussen.
Die erneuten Antisemitismusvorwürfe stellen die Glaubwürdigkeit und die redaktionellen Standards der Deutschen Welle erneut auf die Probe. Die Öffentlichkeit und die Medienlandschaft werden die Entwicklung der internen Untersuchungen und die daraus resultierenden Konsequenzen genau verfolgen.



