Influencer in Dubai: Zwischen Kriegspanik und staatlicher Propaganda
Im Zuge der Eskalation im Nahost-Konflikt gerät Dubai, eine Metropole am Golf, seit Tagen unter Beschuss. Die Reaktionen der dort lebenden Influencer offenbaren eine tiefe Spaltung: Einige brechen in Panik aus, während andere demonstrativ ihr Vertrauen in die Regierung bekunden. Hinter dieser Polarisierung stehen nicht nur persönliche Ängste, sondern auch drohende harte Strafen für Kritik an den Behörden.
Schockierende Szenen: Raketen über der Luxusstadt
Als Model und Influencerin Hofit Golan iranische Geschosse am Nachthimmel von Dubai sieht, ruft sie in einem viralen Video immer wieder „Oh mein Gott“. Die Aufnahmen zeigen Raketenfeuer über der Skyline, die das Image Dubais als sichere und luxuriöse Oase ins Wanken bringen. Seit amerikanisch-israelische Militärschläge auf den Iran erfolgten, reagiert dieser mit Angriffen auf Golfstaaten. Dubai und Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Städte in Katar, Bahrain und Kuwait sind betroffen. Es gab Dutzende Verletzte, vereinzelte Tote, Brände und Schäden an Hotels, Wohnhäusern und Flughäfen. Die Emirate meldeten Hunderte Angriffe mit Raketen und Drohnen, von denen der Großteil abgefangen worden sein soll.
Viele Bewohner stehen unter Schock. Die deutsche Schauspielerin und Influencerin Fiona Erdmann, die seit neun Jahren mit ihrer Familie in Dubai lebt, berichtet von nächtlichen Alarmen. Sie erzählt von „Abwehrmanövern, die so laut waren, dass unsere Türen vibrierten und wir uns alle in der Abstellkammer verbarrikadierten“. In einem Instagram-Clip sagt sie: „Ich weiß auch nicht mehr, wo wir hin sollen“. Schließlich floh die Familie in den benachbarten Oman, um dort auszuharren.
Der Fitness-Influencer Will Bailey zeigt sich in sozialen Medien sichtlich schockiert. Bei Explosionen sagt er: „Das war verdammt nah“ und beschreibt, wie er die Detonationen in seinem Herzen spürte. Teilweise gibt es auch Häme in den Netzwerken, etwa durch Memes, die spöttisch auf die „Blase der verwöhnten Luxuskinder“ anspielen.
Bedrohliche Realität: Kreuzfahrtschiffe und staatliche Kontrolle
Wie gefährlich die Lage ist, schildern deutsche Kreuzfahrt-Urlauber. In der Nähe des Kreuzfahrtschiffs „Mein Schiff 4“ im Hafen von Abu Dhabi seien mindestens zwei Drohnen niedergegangen, berichten sie. Nach einem „extrem lauten Knall“ mussten sich Passagiere ins Innere des Schiffs begeben.
Viele Influencer versuchen jedoch, ein Image von Normalität zu bewahren. Die aus Hamburg stammende Influencerin Kim Gloss, bekannt aus Casting-Shows, sagt: „Ich vertraue dem Land hier, zu 100 Prozent“. Sie betont, dass Rettungskräfte und Polizei auf Hochtouren arbeiteten und ihre Familie den Anweisungen folge – etwa mit Matratzen in der Raummitte zu schlafen.
Das „Vertrauen ins System“ wird so oft erwähnt, dass der Eindruck entsteht, die Regierung könnte Formulierungen für Posts vorgeben. Kritik an den Behörden steht in den Emiraten unter Strafe: Bis zu fünf Jahre Haft und Geldstrafen von bis zu 117.000 Euro drohen für die Beschädigung des Rufs. Entsprechend gefährlich ist das Teilen von Fotos oder Videos angegriffener Orte. Die Behörden sprechen von „Gerüchten“ und drohen mit strafrechtlicher Verfolgung.
Propaganda und Alltagsnormalität: Der Kampf um das Image
Präsident Mohammed bin Sajid versucht, Gelassenheit zu vermitteln, indem er durch ein Einkaufszentrum in Dubai spaziert und sich fotografieren lässt. Influencerin Taim al-Falasi postet ein Foto davon mit einem weißen Herzchen. Entertainer Chalid al-Ameri behauptet, Nachrichtenmedien würden nur Angst verbreiten, und schreibt: „Hunderte Schlagzeilen. Null Panik auf der Straße“.
Blogger loben Dubai traditionell als „sicherste Stadt der Welt“, was auch ihrem Geschäftsmodell dient. In normalen Zeiten lassen sie teure Wertsachen liegen, um die Sicherheit zu demonstrieren. Eine Anwohnerin berichtet, es werde ruhiger, und die Menschen lebten wieder ihr Leben. Für manche Influencer geht der Alltag weiter, wie ein Video aus einem Club mit Champagner und Wunderkerzen zeigt.
Insgesamt offenbart die Situation in Dubai einen Zwiespalt: Während einige Influencer authentische Angst zeigen, agieren andere als Sprachrohr staatlicher Propaganda – getrieben von wirtschaftlichen Interessen und der Furcht vor Repressionen.



