Ex-ORF-Chef Roland Weißmann zeigt mutmaßliches Opfer und Anwalt an
Die Causa um den ehemaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann (57) erfährt eine dramatische Wendung. Zehn Tage nach seinem Rücktritt wegen Vorwürfen sexueller Belästigung geht der frühere Senderchef nun selbst in die Offensive und erstattet Anzeige gegen die mutmaßlich betroffene Mitarbeiterin sowie deren Rechtsvertreter. Die Vorwürfe lauten auf Erpressung und mutmaßlich illegale Tonaufnahmen.
Staatsanwaltschaft bestätigt Anzeigeneingang
Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigte am Donnerstag den Eingang der Anzeige. Eine Sprecherin erklärte laut Berichten der Kronen Zeitung, dass eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung gegen zwei Personen eingegangen sei. Nun werde geprüft, ob ein Anfangsverdacht vorliege und Ermittlungen aufgenommen werden müssen.
Damit erreicht die ORF-Affäre einen neuen Höhepunkt. Medien sprechen bereits von einer „Schlammschlacht“ rund um den gestürzten ORF-Chef. Auslöser der gesamten Affäre waren Vorwürfe einer ORF-Mitarbeiterin, die Weißmann beschuldigte, sie zu Beginn seiner Amtszeit 2022 mit anzüglichen Nachrichten und intimen Bildern bedrängt zu haben.
Widersprüchliche Darstellungen der Beteiligten
Weißmann weist die Belästigungsvorwürfe entschieden zurück. Laut Kronen Zeitung spricht er von einer „gegenseitigen Beziehung unter Erwachsenen“. Die Mitarbeiterin widerspricht dieser Darstellung jedoch deutlich. In einem Schreiben, über das oe24 berichtete, betont sie: „Es habe nie eine Affäre und nie intimen physischen Kontakt gegeben.“
Am 9. März zog Weißmann schließlich die Konsequenzen und trat mit sofortiger Wirkung als ORF-Generaldirektor zurück. Er erklärte damals, damit Schaden vom öffentlich-rechtlichen Sender abwenden zu wollen.
Neue Vorwürfe: Heimliche Aufnahmen und Erpressung
Doch damit war die Causa nicht beendet. Nun folgt die nächste Eskalation. Laut Medienberichten richtet sich Weißmanns Anzeige konkret gegen die Mitarbeiterin und ihren Anwalt. Im Raum stehen der Verdacht der Erpressung sowie der Missbrauch von Tonaufnahmen.
Konkret soll es laut Berichten um heimlich aufgezeichnete Telefonate zwischen der Mitarbeiterin und dem Ex-ORF-Chef gehen. Zudem sollen die vorgelegten Chats und Fotos teilweise mehrere Jahre alt sein. Der Zeitpunkt der ursprünglichen Belästigungsvorwürfe sorgt für Diskussionen: Sie wurden erst kurz vor einer möglichen Wiederwahl Weißmanns an die ORF-Gremien herangetragen.
Die Mitarbeiterin habe laut Berichten angegeben, sie habe Angst vor weiteren Jahren unter Weißmann an der Spitze des Senders gehabt. Die nun von Weißmann erhobenen Vorwürfe der Erpressung und illegalen Aufnahmen werfen ein neues Licht auf den bereits komplexen Fall und lassen eine juristische Auseinandersetzung erwarten.



