Türkische Filmagentin Ayşe Barım zu 12,5 Jahren Haft verurteilt – Gezi-Proteste als Vorwand?
Filmagentin Ayşe Barım zu 12,5 Jahren Haft verurteilt

Langjährige Haftstrafe für türkische Filmagentin im Zusammenhang mit Gezi-Protesten

Ein Gericht in Istanbul hat die renommierte türkische Filmagentin Ayşe Barım zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Anklage lautete auf Beihilfe zu einem angeblichen Umsturzversuch der Regierung während der Gezi-Proteste im Jahr 2013. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, und Barım muss aufgrund ihres angeschlagenen Gesundheitszustands zunächst nicht ins Gefängnis. Allerdings verhängte das Gericht eine Ausreisesperre gegen die Agentin, die zahlreiche bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler in der Türkei vertritt.

Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und Reaktion der Verteidigung

Die Staatsanwaltschaft hatte Barım vorgeworfen, sie habe die von ihr repräsentierten Künstler gezielt in den Gezi-Park geschickt, um an den regierungskritischen Protesten teilzunehmen. Barım wies diese Vorwürfe entschieden zurück. Kritiker der türkischen Regierung sehen in dem Verfahren einen politischen Schauprozess, der darauf abziele, eine unliebsame Kulturschaffende aus dem Weg zu räumen. Der Fall soll als abschreckendes Beispiel für die gesamte Branche dienen, die zunehmend unter Druck gerät.

Hintergrund: Die Gezi-Proteste und ihre Folgen

Die Gezi-Proteste begannen 2013 als Widerstand gegen ein Bauprojekt im Istanbuler Gezi-Park und entwickelten sich schnell zu einer breiten Bewegung gegen die autoritäre Politik des damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Die Regierung ließ die weitgehend friedlichen Demonstrationen brutal niederschlagen und bezeichnete sie später als Umsturzversuch. Seitdem nutzen die Behörden diese Narrative regelmäßig, um gegen Oppositionelle und Kulturschaffende vorzugehen.

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Politische Motive und Einschüchterung der Kulturszene

Ayşe Barım arbeitet an zahlreichen erfolgreichen Film- und Serienproduktionen mit, die nicht den konservativen Moralvorstellungen der Regierungspartei AKP entsprechen. Geschichten über unabhängige Frauen, Patchworkfamilien oder LGBTQ+-Personen gelten als unerwünscht, da sie angeblich einen schlechten Einfluss auf die Gesellschaft haben könnten. Das Urteil gegen Barım fällt in eine Zeit, in der die türkische Regierung den Druck auf Andersdenkende systematisch erhöht.

Weitere Fälle von politischer Verfolgung in der Türkei

Nicht nur Kulturschaffende sind betroffen: Auch oppositionelle Politiker werden zunehmend kriminalisiert. Ekrem İmamoğlu, der Oberbürgermeister von Istanbul und aussichtsreichste Gegner Erdoğans, sitzt seit März 2025 wegen Korruptionsvorwürfen in Untersuchungshaft. Diese werden international als politisch motiviert eingestuft. Selbst seine Partei, die CHP, die größte Oppositionskraft des Landes, gerät immer stärker ins Visier der Justiz.

Die Verurteilung von Ayşe Barım zeigt erneut, wie die türkische Justiz instrumentalisiert wird, um regierungskritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Während das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, sendet es ein deutliches Signal an die Kulturbranche und die Zivilgesellschaft.

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