Exklusive Einblicke aus dem Kriegsgebiet: Frederik Pleitgens gefährliche Mission im Iran
Als einziger internationaler Reporter konnte CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen (49) während der jüngsten Kriegshandlungen live aus dem Iran berichten. Im Podcast von Paul Ronzheimer schildert der erfahrene Journalist nun die dramatischen Umstände seiner gefährlichen Mission in Teheran. Pleitgen beschreibt eindringlich, wie sich die Bombardierungen durch die USA und Israel in einer Millionenstadt anfühlen und welche Herausforderungen die Kriegsberichterstattung unter diesen extremen Bedingungen mit sich bringt.
Einreise als Abenteuer mit Hindernissen
Bereits die Einreise gestaltete sich als wahres Abenteuer. Direkt mit Beginn der Kampfhandlungen stellte Pleitgen einen Visumsantrag. Montags kam die Zusage, am Mittwoch machte sich sein Team auf den gefährlichen Weg – über Armenien und dann stundenlang über Land zur iranischen Grenze. Dort wurden sie jedoch zunächst gestoppt. Pleitgen erinnert sich deutlich: „Die ersten Worte vom Grenzer waren: Es ist Krieg, ihr müsst wieder gehen.“ Erst mit offiziellen Schreiben des iranischen Außen- und Kultusministeriums und nach intensiven weiteren Gesprächen durfte das Team passieren.
Dass die Einreise überhaupt gelang, lag maßgeblich an Pleitgens umfangreicher Erfahrung: Der Journalist berichtet seit Jahren aus dem Iran und war nach eigenen Angaben „mehr als 40-mal schon da“. Diese Vertrautheit mit Land und Behörden erwies sich als entscheidender Vorteil in der kritischen Situation.
Teheran im permanenten Ausnahmezustand
In Teheran angekommen, erwartete den Reporter eine Stadt im permanenten Ausnahmezustand. Anders als in Israel oder der Ukraine gebe es kaum Warnsysteme. „Es gibt keine Sirenen, es gibt keine Apps, es gibt keine Bombenkeller“, erklärt Pleitgen. Stattdessen hört man die Einschläge oft erst, wenn sie bereits passiert sind. „Man hört da eigentlich fast dauerhaft, dass es dort Einschläge gibt.“ Das Gefühl beschreibt er als permanente Bedrohung. „Man kann sich dort eigentlich nie entspannen.“
Während man in anderen Kriegsgebieten zumindest im Hinterland vergleichsweise sicher sei, gelte das für Teheran gerade nicht. Die amerikanische und israelische Luftwaffe könne „zurzeit, wie sie wollen, über Teheran fliegen und bombardieren“, so Pleitgens erschütternde Einschätzung.
Drastische Szenen und zivile Opfer
Besonders eindrücklich beschreibt Pleitgen einen Angriff auf eine Öl-Installation im Raum Teheran. Ein riesiger Ölspeicher stand in Flammen, die Szene beschreibt der Reporter drastisch: „Es regnet Öl.“ Über der Stadt lagen dichte Rauch- und Rußschwaden. Gleichzeitig bildeten sich lange Schlangen an Tankstellen, die Angst vor Treibstoffknappheit wuchs stündlich.
Bei seinen Reportagen sah Pleitgen auch die unmittelbaren Folgen für Zivilisten. Nach einem Luftschlag auf eine Sicherheitsanlage wurde auch ein benachbartes Wohnhaus zerstört. „Da haben wir Leute gesehen, die ihre Sachen aus den Trümmern holen, voller Staub“, erzählt er bewegt. Bewohner berichteten von der enormen Druckwelle der Bomben, die selbst in einiger Entfernung noch spürbar war. Für die Menschen in der Hauptstadt sei die Situation extrem belastend. „Es ist für die Leute, die im Großraum Teheran wohnen, eine superschwere Zeit.“
Extreme Arbeitsbedingungen für Journalisten
Auch für das CNN-Team war der Einsatz unter diesen Bedingungen extrem. Ausreichend Schlaf gab es kaum. „Nee, wir konnten eigentlich nicht schlafen“, gesteht Pleitgen. Nachts berichteten sie live für das amerikanische Publikum, danach begannen oft schon die nächsten Bombardierungen. „Du bist halt die ganze Zeit unter Strom.“
Hinzu kommt der politische Druck. CNN darf im Iran nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Behörden arbeiten. Viele Drehorte mussten vorher angemeldet werden, und die Berichterstattung unterliegt strengen Restriktionen. Pleitgen betont zwar, dass der Sender die redaktionelle Kontrolle behält, doch ganz frei ist die Arbeit nicht. „Was man nicht machen darf, ist zum Beispiel Sicherheitsinstallationen zeigen“, erklärt er. Und wenn den Behörden ein Bericht nicht gefällt, melden sie sich umgehend. „Unser Übersetzer kriegt dann einen Anruf: Warum habt ihr das und das gemacht?“
Zukunftsperspektiven für den Iran
Trotz dieser Einschränkungen und Kritik von Teilen der iranischen Opposition verteidigt Pleitgen seine Reise entschieden. Gerade in einem Krieg sei es entscheidend, vor Ort zu sein. Nur so lasse sich zeigen, was wirklich passiert – nicht nur die offizielle Sicht der Machthaber, sondern auch die Ängste und Nöte der normalen Bevölkerung.
Für die Zukunft des Iran zeigt sich Pleitgen eher skeptisch. Zwar sei das Regime durch die Angriffe militärisch geschwächt, doch ein Zusammenbruch sei keineswegs sicher. Der Machtapparat sei „riesengroß“ und könne sich immer wieder neu organisieren, selbst wenn Führungspersonen ausgeschaltet würden. Gleichzeitig beobachtet Pleitgen große Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Viele Menschen seien müde von Krieg, Sanktionen und wirtschaftlicher Krise.
Sollte der Konflikt irgendwann enden, stehe das Regime vor einem gewaltigen Problem: wie man ein Land wieder aufbaut, dessen Infrastruktur schwer beschädigt ist und das weiterhin unter massiven internationalen Sanktionen leidet. Pleitgen formuliert die entscheidende Frage: „Die große Frage wird sein: Was kommt danach – welche Zukunftsperspektive kann dieses System den Menschen noch bieten?“



