Grimme-Preise 2026: Frank Elstner erhält Sonderpreis, Jury kritisiert thematische Lücken
Grimme-Preise: Elstner ausgezeichnet, Lücken bei Krieg und Klima

Grimme-Preise 2026: Auszeichnungen und thematische Lücken

Der legendäre TV-Moderator und Erfinder von Wetten, dass?, Frank Elstner, wird in diesem Jahr mit einem begehrten Grimme-Sonderpreis geehrt. Das Grimme-Institut in Marl gab am Donnerstag bekannt, dass der 83-jährige Entertainer nicht nur für seine überragenden Verdienste als Fernsehmacher, sondern insbesondere als engagierter Botschafter für gesellschaftliche Anliegen ausgezeichnet wird. Elstner setzt sich seit vielen Jahren aktiv für Betroffene der Parkinson-Krankheit ein und unterstützt nachhaltig die Parkinson-Stiftung.

Preisverleihung und thematische Schwerpunkte

Die nicht mit Geld dotierten, aber in der Fernsehbranche hoch angesehenen Grimme-Preise werden am 24. April während einer festlichen Gala in Marl verliehen. Insgesamt erhalten in diesem Jahr 16 Produktionen die begehrte Auszeichnung, ergänzt durch drei zusätzliche Sonderpreise. Grimme-Instituts-Chefin Çiğdem Uzunoğlu hob hervor, dass wichtige gesellschaftliche Themen in den prämierten Werken vielfältig behandelt werden.

„Themen wie Rassismus, Rechtsradikalismus oder die prekäre Situation im deutschen Gesundheitssystem werden in den Filmen auf eindrucksvolle und differenzierte Weise erzählt“, so Uzunoğlu. Gleichzeitig wies sie jedoch auf signifikante thematische Lücken hin: „Auffällig ist, dass die aktuellen Kriege in Europa und im Nahen Osten ebenso wenig vorkommen wie die drängende Klimakrise. Fehlt es hier vielleicht an Mut oder an angemessenen filmischen Umsetzungen?“

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Ausgezeichnete Produktionen im Überblick

In der Kategorie Information & Kultur wird erstmals der Privatsender RTL2 mit einem Grimme-Preis geehrt – und zwar für den Zweiteiler Hass.Hetze.Hoffnung, der sich mit Alltagsrassismus gegen asiatisch aussehende Menschen beschäftigt. Die Jury würdigt außerdem zwei lange Kino-Dokumentarfilme:

  • Das leere Grab (ZDF – Das kleine Fernsehspiel) behandelt die sensible Rückführung menschlicher Überreste aus der Kolonialzeit.
  • Petra Kelly – Act Now! (rbb/BR/RB/ARTE) porträtiert die Mitgründerin der Grünen.

Der Preis für die Besondere Journalistische Leistung geht in diesem Jahr an die ZDF-Korrespondentin Golineh Atai. Die Preisjury lobte ihre ruhig erzählten und analytisch herausragenden Berichterstattungen aus der arabischen Welt, insbesondere aus Kairo.

Fiktion, Unterhaltung und Kinderprogramm

In der Kategorie Fiktion erhält unter anderem der Frankfurter Tatort – Dunkelheit (ARD Degeto/hr) einen Grimme-Preis. Der Krimi erzählt von einem Serienmörder, dessen grausame Taten auffliegen, als bei einer Wohnungsauflösung menschliche Überreste entdeckt werden. Ebenfalls ausgezeichnet wird der Finanzthriller Die Affäre Cum-Ex (ZDF), der ein globales Betrugssystem aufdeckt.

In der Sparte Unterhaltung vergibt die Jury einen Preis an die Prime-Video-Comedy-Serie Gerry Star, die einen erfolglosen Musikproduzenten porträtiert, der sich selbst jedoch als Hitproduzent, Frauenschwarm und Geschäftsmann inszeniert. Weitere Preisträger sind:

  • MAITHINK X – Die Show (2025) (ZDF) – eine Wissenssendung mit der promovierten Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim.
  • smypathisch – die show (ZDF/funk) – eine Interview-Show mit Marie Lina Smyrek.

Der Spielfilm für Kinder Grüße vom Mars (NDR, hr, KiKa/MDR) erhält einen Grimme-Preis in der Kategorie Kinder & Jugend. Der Film erzählt einfühlsam von einem autistischen Zehnjährigen, der durch einen vierwöchigen Besuch bei seinen Großeltern aus seiner sorgfältig ausbalancierten Alltagsroutine gerissen wird und neue Erfahrungen sammelt.

Die Grimme-Preise 2026 zeigen somit ein breites Spektrum an qualitativ hochwertigen Fernsehproduktionen, die gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen, während gleichzeitig kritische Fragen zu fehlenden Kriegs- und Klimadarstellungen aufgeworfen werden.

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