Großbritannien: Kein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige
In Großbritannien wird es vorerst kein gesetzliches Verbot von Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren geben. Das Unterhaus des britischen Parlaments hat entsprechende Pläne am Montagabend mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Nur 173 Parlamentarier stimmten für ein Verbot, während 307 dagegen votierten.
Regierung lehnt Verbot ab
Die Labour-Regierung unter Premierminister Keir Starmer hatte sich gegen das vom Oberhaus initiierte Vorhaben ausgesprochen. Starmer begründete seine Ablehnung damit, dass zunächst eine umfassende Konsultation mit Experten, Internetkonzernen und Kinderschutzorganisationen notwendig sei. Ein entsprechender Prozess wurde bereits in der vergangenen Woche von der Regierung angestoßen.
Auffällig war bei der Abstimmung, dass sich mehr als hundert Labour-Abgeordnete der Stimme enthielten. Beobachter werten dies als stillen Protest gegen die Regierungslinie. Bereits zuvor hatten Dutzende Labour-Parlamentarier Starmer öffentlich aufgefordert, das Verbot zu unterstützen.
Hintergrund der Debatte
Das Oberhaus des britischen Parlaments hatte im Januar für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige gestimmt. Den Vorschlag hatte der konservative Abgeordnete John Nash eingereicht, unterstützt von einem Labour-Abgeordneten und einem Vertreter der Liberalen. Das Vorhaben orientiert sich an australischen Regelungen, wo seit dem 10. Dezember ein ähnliches Verbot gilt.
In Australien müssen Anbieter von Onlinediensten seitdem die Konten von Nutzern unter 16 Jahren deaktivieren. Plattformen, die keine angemessenen Maßnahmen zur Einhaltung dieser Vorschriften ergreifen, drohen Geldstrafen in Höhe von umgerechnet mehr als 28 Millionen Euro.
Internationale Entwicklungen
Die Debatte um Social-Media-Beschränkungen für Jugendliche ist nicht auf Großbritannien beschränkt:
- In Deutschland fordern die Regierungsparteien CDU und SPD ein gesetzliches Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren
- Laut einer aktuellen Umfrage befürwortet ein Großteil der Deutschen entsprechende Pläne
- Experten warnen vor den manipulativen Effekten sozialer Medien auf junge Nutzer
Bildungsforscherin Nina Kolleck erklärt in Interviews, wie subtil Plattformen wie TikTok Kinder und Jugendliche beeinflussen können und welche Rolle Eltern dabei spielen. Die Diskussion über angemessene Schutzmaßnahmen bleibt damit international auf der Tagesordnung, auch wenn Großbritannien zunächst einen anderen Weg gewählt hat.



