Der umstrittene Aufstieg eines Social-Media-Phänomens
Marli, bürgerlich Marlon Mihm, feiert mit plattformübergreifend fast einer Million Followern derzeit seinen Durchbruch in der deutschen Streaming-Szene. Der 27-Jährige aus Berlin-Kreuzberg, geboren als Sohn eines deutschen Vaters und einer türkischen Mutter in New York, hat innerhalb eines Jahres seine Zuschauerzahl von wenigen Hundert auf Tausende gesteigert. Sein Erfolg basiert jedoch auf einer höchst kontroversen Strategie, die regelmäßig durch Provokationen, Grenzüberschreitungen und geschmacklose Aktionen auffällt.
Fragwürdige Methoden und polarisierende Selbstdarstellung
Eigenen Angaben zufolge machte Marli mit 18 Jahren den Hauptschulabschluss und lebte anschließend sieben Jahre auf Staatskosten. Er gibt sich stolz darauf, „noch nie einen Tag“ gearbeitet zu haben. Wie viel davon bewusste Übertreibung zur Polarisierung ist, bleibt unklar. Seine Karriere als Influencer baut er systematisch auf Tabubrüchen auf, die regelmäßig für Empörung sorgen.
Epstein-Outfit im Umgang mit Minderjährigen
Im Februar dieses Jahres sprach Marli in einem Livestream per Videoanruf mit einem 15-jährigen Berliner. Nachdem er Alter und Wohnort des Jugendlichen erfuhr, kommentierte er beiläufig: „Ich kann dir mal meinen Keller zeigen, wenn du willst.“ Kurz darauf zog er einen speziellen dunkelblauen Troyer an – eine eindeutige Anspielung auf den pädophilen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Dieses Kleidungsstück hat sich im Internet zu einem fragwürdigen Meme entwickelt, das Marli bewusst für Aufmerksamkeit nutzt.
Sexistische Übergriffe gegen „Miss Germany“ Rose Mondy
Vergangenen Dezember wurde seine Kollegin Rose Mondy, die amtierende „Miss Germany“ 2026, zur Zielscheibe. In einem Spiel, bei dem es darum geht, Sätze anderer zu zeichnen, schrieb Marli, sie ejakuliere auf einen Streamer. Die Runde wurde daraufhin abgebrochen. Rose Mondy kommentierte auf X: „Vor allem habe ich Marli mehrmals privat darum gebeten, bei mir auf perversen Humor zu verzichten.“ Später ergänzte sie: „Das ist nicht mehr unter der Gürtellinie, das ist einfach grenzüberschreitend.“
Eine klare Entschuldigung blieb laut ihr aus. Marli erklärte dagegen: „Es war wirklich dieser Teufel auf meiner Schulter – eigentlich besiege ich den immer, aber ich habe es dieses Mal nicht geschafft“ und distanzierte sich zumindest öffentlich von seinem Verhalten.
Geschmacklose Stalking-Witze über HoneyPuu
In einer weiteren Runde desselben Spiels machte sich Marli zudem über Cyberstalking lustig. Die Twitch-Streamerin HoneyPuu, bürgerlich Isabell Schneider, leidet seit anderthalb Jahren öffentlich unter einem Stalker. Marli schrieb als Zeichenvorlage, sie werde von diesem gefangen gehalten. Die meisten seiner Kollegen im Livestream lachten – nur wenige kritisierten die geschmacklose Verharmlosung einer ernsten Bedrohungslage. In internen Gesprächen mit Kollegen wie Rapper Ali Bumaye soll der Berliner seinen Fehler nachträglich eingeräumt haben.
Geteilte Reaktionen in der Streaming-Szene
Die Kontroverse um Marli spaltet die deutsche Influencer-Szene. Statt sein Verhalten zu ändern, legt er bis zuletzt immer wieder nach – die Liste seiner Tabubrüche wird kontinuierlich länger. Trotzdem halten populäre Influencer wie MontanaBlack (bürgerlich Marcel Eris) oder Elias Nerlich weiter zu ihm. Die Plattform Twitch hat sich bislang nicht dazu geäußert, inwieweit solche Inhalte aufgrund möglicher Verstöße gegen die Nutzungsrichtlinien moderiert werden.
Marlis Karrierestrategie zeigt ein klares Muster: Durch bewusste Grenzüberschreitungen und provokante Aktionen generiert er maximale Aufmerksamkeit, selbst wenn dies auf Kosten anderer geht. Sein Aufstieg wirft grundlegende Fragen über die Ethik in der Social-Media-Landschaft und die Verantwortung von Plattformen bei der Moderation problematischer Inhalte auf.



