Martensteins satirischer Rundumschlag gegen Trumps Selbstüberhöhung
Harald Martenstein, der bekannte Kolumnist, richtet in seiner täglichen Kolumne bei BILD einen beißend-satirischen Offenen Brief an den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Der 72-jährige Autor beginnt mit einem alten politischen Witz, der jedoch durch aktuelle Ereignisse eine neue Brisanz erhält.
Ein Witz mit bitterem Beigeschmack
Martenstein erzählt die Geschichte von drei verstorbenen Politikern – George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump – die vor den Toren des Paradieses stehen. Während Bush an freien Handel und Obama an Weltfrieden glaubt, antwortet Trump auf die Frage Gottes mit der Bemerkung: „Ich glaube, Du sitzt auf meinem Stuhl.“ Dieser scheinbar harmlose Witz erhält für Martenstein eine neue Dimension durch Trumps jüngste öffentliche Auftritte.
Die selbsternannte göttliche Rolle
Der Kolumnist bezieht sich konkret auf ein Bild, das Trump kürzlich in den sozialen Medien veröffentlichte und auf dem er sich als eine Art Jesusfigur darstellte, die Kranke durch Handauflegen heilt. Zunächst dachte Martenstein noch an Selbstironie, bis Trump ernsthaft behauptete: „Ich mache Leute gesünder.“ Das Bild wurde zwar später gelöscht, doch für Martenstein bleibt der Eindruck einer gefährlichen Selbstüberhöhung.
Martenstein kommentiert trocken: „Offenbar brennt ja doch noch irgendwo Licht im Oberstübchen.“ Doch damit nicht genug – Trump behauptete zudem, der amtierende Papst verdanke sein Amt allein ihm. Diese Aussage wirft für den Kolumnisten mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Der Konflikt mit dem Papsttum
Besonders pikant findet Martenstein, dass Trump nun sogar den von ihm selbst ernannt geglaubten Papst kritisiert, weil dieser Trumps Ankündigung, eine ganze Zivilisation auszulöschen, nicht als „superchristlich“ empfand. Hier zeigt der Autor Verständnis für das Papsttum: „Päpste sind Weicheier, Mister President. Dafür muss man Verständnis haben.“
In typisch martensteinscher Bildsprache fügt er hinzu: „Ein Papst, der Kriege toll findet, wäre so was wie ein Jesus, der im Stringtanga Werbung für Jägermeister macht.“ Diese Analogie unterstreicht die Absurdität von Trumps Erwartungen an das höchste Amt der katholischen Kirche.
Die ernste Frage hinter dem Humor
Unter der satirischen Oberfläche stellt Martenstein eine ernste Frage: „Ist bei Ihnen wirklich ein Rad ab?“ Viele Beobachter würden dies behaupten, so der Kolumnist. Sein Rat an Trump fällt entsprechend deutlich aus: „Wenn Sie wieder mal glauben, Sie seien Gott, nein, sogar der Chef von Gott, rufen Sie bitte einen Arzt. Oder fragen Sie Melania.“
Mit diesem Schlusssatz verbindet Martenstein die politische Kritik mit einer persönlichen Note, die typisch für seinen Stil ist. Die Kolumne endet mit der Aufforderung an die Leser, ihre Meinung direkt an den Autor zu richten – ein bewusst demokratisches Gegenmodell zu Trumps selbstzentrierter Kommunikation.



