Martensteins offener Brief an Miosga: ARD-Interview mit Chrupalla als AfD-Werbung?
Martenstein kritisiert Miosga: ARD-Interview als AfD-Werbung

Offener Brief von Harald Martenstein an Caren Miosga löst Debatte aus

In einem scharf formulierten offenen Brief hat der BILD-Kolumnist Harald Martenstein (72) die ARD-Moderatorin Caren Miosga für ihre Gesprächsführung im Interview mit AfD-Chef Tino Chrupalla kritisiert. Der erfahrene Journalist wirft der Moderatorin vor, mit ihrer Interviewtechnik unbeabsichtigt Wahlwerbung für die AfD betrieben zu haben.

Martenstein zieht drastischen Vergleich mit Schulhof-Situation

Martenstein beginnt seinen Brief mit einem eindrücklichen Vergleich: „Wenn ein Schulkind vor der Klasse geohrfeigt wird, werden fast alle Zeugen auf dessen Seite stehen und nicht auf der Seite des Lehrers. Sogar dann, wenn dieses Kind kurz zuvor einem Huhn den Hals umgedreht hat.“ Diese Beobachtung übertrug der Kolumnist direkt auf das von ihm kritisierte ARD-Interview.

Der BILD-Autor beschreibt seine Wahrnehmung des Gesprächs: „Der arme Mann durfte gefühlt kaum einen Satz zu Ende sprechen und keinen Gedanken ausführen. Informationsgehalt: null.“ Martenstein wirft Miosga vor, ihr einziges Ziel sei gewesen, ihren Abscheu gegen Chrupalla wiederholt zum Ausdruck zu bringen, anstatt ein sachliches Interview zu führen.

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Vorwurf der unfairen Behandlung und unbeabsichtigten Werbung

Der Kernvorwurf Martensteins lautet, dass eine derart offensichtlich unfaire Behandlung eines Interviewpartners neutrale Zuschauer instinktiv auf dessen Seite bringe. „Sie haben Werbung für die AfD gemacht. Sie sind jetzt eine AfD-Ikone!“, schreibt der Kolumnist direkt an Miosga gerichtet.

Martenstein betont dabei, dass Chrupalla kein Verbrecher sei und zieht einen historischen Vergleich: „Aber selbst bei den Nürnberger Prozessen gegen die Naziführer, die Verbrecher waren, ließ das Gericht die Angeklagten ausreden.“ Dieser drastische Vergleich unterstreicht die Schärfe seiner Kritik an der Interviewführung.

Finanzielle Dimension und provokante Spendenaufforderung

Der Kolumnist weist auf die politische Realität hin: „2025 haben zehn Millionen die AfD gewählt. Auch diese Menschen sind gezwungen, ihr Gehalt zu finanzieren.“ Damit spielt Martenstein auf den Rundfunkbeitrag an, den auch AfD-Wähler entrichten müssen.

In einer besonders provokanten Passage rechnet Martenstein vor: „Angeblich verdienen Sie, Frau Miosga, knapp 600.000 Euro im Jahr, auch dank der Gebühren der AfD-Wähler.“ Darauf folgt eine ungewöhnliche Aufforderung: „Wissen Sie was? Spenden Sie 20 Prozent davon, den AfD-Anteil, an die ‚Omas gegen rechts‘. Das wären 120.000. Sie wollen doch dieses schmutzige Geld sowieso nicht, oder?“

Medienethische Debatte über Interviewführung

Der offene Brief wirft grundsätzliche Fragen zur Medienethik auf:

  • Wie sollten Journalisten mit politischen Vertretern umgehen, deren Positionen sie ablehnen?
  • Wo liegt die Grenze zwischen kritischer Befragung und unfairer Behandlung?
  • Kann eine zu aggressive Interviewtechnik kontraproduktiv wirken?

Martensteins Kritik geht über das konkrete Interview hinaus und berührt grundlegende Prinzipien des journalistischen Handwerks. Der Kolumnist plädiert implizit für eine sachlichere Herangehensweise, die auch unliebsamen Gesprächspartnern Raum für die Darstellung ihrer Positionen lässt.

Die Reaktionen auf Martensteins offenen Brief fallen erwartungsgemäß unterschiedlich aus. Während einige Medienbeobachter seine Kritik für berechtigt halten, verteidigen andere Miosgas Recht auf eine kritische Befragung von AfD-Vertretern. Die Debatte über angemessene Interviewführung mit politischen Gegnern dürfte durch diesen Vorfall neue Nahrung erhalten.

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