Münchens legendäre U-Bahn-Stimme „Susi“ in Gefahr? KI bedroht echte Sprecher
Münchner U-Bahn-Stimme „Susi“: KI als tödliche Bedrohung?

Die Stimme Münchens: Sabine Bundschu und der Kampf gegen die KI

Seit mehr als drei Jahrzehnten begleitet sie Millionen Münchner auf ihren täglichen Wegen: Sabine Bundschu, die markante Stimme in U-Bahn, Tram und Bus der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Die 1959 geborene Künstlerin, die auch als Sängerin, Schauspielerin und Sprachtrainerin arbeitet, hat eine außergewöhnliche Karriere hinter sich – und blickt nun besorgt in die Zukunft.

Von der Bühne in die U-Bahn: Eine außergewöhnliche Karriere

Bundschu, die mit Größen wie Udo Lindenberg, Nina Hagen und Thomas Gottschalk auf der Bühne stand, ist seit 1994 die erste Computerstimme im Münchner Nahverkehr. „Ich bin die erste Generation Computerchip“, erklärt sie im Gespräch. Vor ihrer Zeit wurden die Stationen noch von Fahrerinnen und Fahrern angesagt. Ihre bewusst sachliche, freundliche Stimme hat sich bei den Münchnern so sehr eingeprägt, dass sie unter Tramfahrern liebevoll „Susi“ genannt wird – in Anlehnung an die Stimme aus Rudi Carrells „Herzblatt“.

Die studierte Schauspielerin begann ihre Karriere am Theater, nahm dann einen Plattenvertrag bei Ralph Siegel an und wurde Keyboarderin in Thomas Gottschalks Late-Night-Band „Trouble Boys and the Sireens“. Doch ihr Hauptmetier blieb stets die Musik. „Dass mich so viele Millionen Menschen regelmäßig hören, ist ein verrückter Gedanke“, sagt Bundschu über ihre U-Bahn-Rolle.

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Lebensgefährliche Krise und persönliche Lehren

Neben den künstlerischen Höhenflügen durchlebte Bundschu auch dunkle Zeiten. 2014 erlitt sie während der Teilnahme an einer umstrittenen Schweizer Therapiegruppe einen schweren Schlaganfall. „Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe und kein Pflegefall geworden bin“, reflektiert sie heute. Die Gruppe experimentierte mit illegalen psychedelischen Substanzen wie LSD, MDMA und Ketamin unter der Leitung eines Mannes, den Bundschu als Narzissten mit „Jesus-Komplex“ beschreibt.

Aus dieser Erfahrung zog sie wichtige Lehren: „Ich habe einen Radar für Narzissten entwickelt und halte mich fern von ihnen. Vor allem vor alten, weißen Männern, die glauben, einem alles verkaufen zu können.“ Heute arbeitet sie selbst als Coach und Gruppenleiterin.

Künstliche Intelligenz als existenzielle Bedrohung

Die größte aktuelle Herausforderung sieht Bundschu jedoch in der technologischen Entwicklung. Die MVG experimentiert bereits mit Künstlicher Intelligenz für Ansagen – ein Trend, der die gesamte Sprecherbranche bedroht. „Ich sehe die Gefahr, dass echte Stimmen irgendwann aussterben“, warnt die Künstlerin.

Besonders alarmierend: In Verträgen großer Streamingdienste wie Netflix finden sich bereits Klauseln, die es erlauben, eingesprochenes Material zum „Anfüttern“ von KI-Systemen zu verwenden. „Das wäre ein Todesurteil für alle echten Stimmen“, so Bundschu. Der Verein Deutscher Sprecher hat bereits Klage eingereicht.

Die Zukunft der menschlichen Stimme

Langfristig befürchtet Bundschu eine Verwirrung der Zuhörer: „Er wird in Filmen irgendwann nicht mehr unterscheiden können, was echt ist und was mit KI erzeugt worden ist.“ Schon heute sei es möglich, dass Schauspieler wie George Clooney mit KI-Stimmen in verschiedenen Sprachen synchronisiert werden – wenn auch noch nicht perfekt.

Ihr Ideal wäre eine Kombination aus Technologie und Menschlichkeit: „Dass man KI einsetzt, aber weiterhin mit menschlichen Stimmen kombiniert – und dass Menschen weiterhin vergütet werden für ihre Stimme.“ Wichtig sei der Zusammenhalt aller Sprecher, um nicht durch Konkurrenzdenken die eigenen Rechte zu verspielen.

Die MVG betont derweil, dass Bundschus Stimme vorerst erhalten bleibe. Doch die Entwicklung zeigt: Die legendäre „Susi“-Stimme der Münchner U-Bahn steht symbolisch für einen größeren Kampf – den um die Bewahrung menschlicher Authentizität im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.

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