Netflix beendet Bieterkampf um Warner Bros. Discovery
Der Streamingdienst Netflix hat sich entschieden, im Übernahmepoker um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers nicht mehr mitzubieten. Das Unternehmen teilte mit, dass es sein Angebot für die Filmstudios und das Streaming-Geschäft von Warner Bros. nicht erhöhen wird. Damit scheint der Weg frei für eine Übernahme durch den Konkurrenten Paramount.
Paramounts verbessertes Milliardenangebot als entscheidender Faktor
Unmittelbar vor Netflix' Ausstieg hatte Warner Brothers ein nochmals verbessertes Gebot von Paramount formal als "überlegen" eingestuft. Paramount erhöhte sein Angebot für den gesamten heutigen Konzern Warner Bros. Discovery von 30 auf 31 Dollar pro Aktie in bar. Netflix erklärte nun, angesichts dieses neuen Angebots sei "der Deal finanziell nicht mehr attraktiv".
Die Co-Chefs von Netflix, Ted Sarandos und Greg Peters, betonten: "Wir haben uns stets diszipliniert verhalten. Und zu dem Preis, der erforderlich wäre, um das jüngste Angebot von Paramount Skydance zu erreichen, ist der Deal finanziell nicht mehr attraktiv." Sie fügten hinzu: "Diese Transaktion war immer ein 'Nice to have' zum richtigen Preis, kein 'Must have' um jeden Preis."
Warner-Verwaltungsrat hält an Netflix-Empfehlung fest
Interessanterweise hielt der Warner-Verwaltungsrat trotz des neuen Paramount-Angebots an seiner Empfehlung an die Aktionäre fest, das Übernahmeangebot von Netflix anzunehmen. Die Abstimmung darüber wurde auf den 20. März angesetzt. Die Übernahmevereinbarung mit Netflix bleibt formal in Kraft, doch nach der Entscheidung von Netflix erscheint ein Erfolg dieser Transaktion mindestens fragwürdig.
Finanzielle Details der konkurrierenden Angebote
Die Zahlen verdeutlichen den Unterschied zwischen den beiden Angeboten:
- Paramount bietet 108,4 Milliarden Dollar für den gesamten heutigen Konzern Warner Bros. Discovery samt TV-Sendern
- Netflix bot knapp 83 Milliarden Dollar für die Filmstudios und das Streaming-Geschäft
- Paramount verspricht zusätzlich, die Zahlung von 2,8 Milliarden Dollar zu übernehmen, die für Warner bei einer Auflösung des Deals mit Netflix fällig werden könnte
Politische Dimension: Das Schicksal von CNN
In dem Bieterkampf geht es auch um das Schicksal des Nachrichtensenders CNN, bei dem oft kritisch über US-Präsident Donald Trump berichtet wird. Trump sagte im Dezember, es müsse sichergestellt werden, dass CNN bei einem Deal auf jeden Fall den Besitzer wechsle.
Paramount wurde im vergangenen Jahr von der Familie des als Trump-Unterstützer bekannten Tech-Milliardärs Larry Ellison gekauft. Die Nachrichtenredaktion des Paramount-Senders CBS schlug seit der Übernahme durch die Ellisons zum Teil einen freundlichen Ton gegenüber der Trump-Regierung an. Trumps Kritiker in den USA befürchten, dass CNN unter dem Dach von Paramount die redaktionelle Unabhängigkeit verlieren könnte.
Regulatorische Hürden und Vertragsstrafen
Die Übernahme wird in jedem Fall zu einer höheren Konzentration im US-Medienmarkt führen und die Zustimmung der Aufsichtsbehörde benötigen. Netflix hatte Warner eine Vertragsstrafe von 5,8 Milliarden Dollar für den Fall zugesagt, dass der Deal an Bedenken der Wettbewerbshüter scheitern sollte.
Paramount gibt sich zuversichtlich und bietet Warner für den Fall eines Scheiterns aufgrund behördlicher Bedenken sogar eine Zahlung von sieben Milliarden Dollar an. Die engen Verbindungen der Ellisons zu Trump und dessen Regierung dürften für die Übernahme in jedem Fall hilfreich sein.
Netflix' alternative Pläne und Aktienkursentwicklung
Netflix betonte, dass das Unternehmen weiterhin selbst in qualitativ hochwertige Filme, Serien und Unterhaltung investieren werde. Zudem will das Unternehmen ein Programm zum Aktienrückkauf wieder aufnehmen. Der Netflix-Aktienkurs hatte angesichts der kostspieligen Übernahmepläne in den vergangenen Monaten deutlich nachgegeben.
Die Manager Sarandos und Peters erklärten abschließend: "Wir sind überzeugt, dass wir die ikonischen Marken von Warner Bros. gut geführt hätten und dass unser Deal die Unterhaltungsindustrie gestärkt und mehr Arbeitsplätze in der Produktion in den USA erhalten und geschaffen hätte." Doch nun scheint Paramount der klare Favorit im Rennen um Warner Bros. Discovery zu sein.



