Netflix beendet Bieterwettlauf um Warner Bros. - Paramounts Milliardenoffensive zu teuer
Der Streamingdienst Netflix hat eine klare Entscheidung getroffen: Im erbitterten Bieterkampf um das legendäre Hollywood-Studio Warner Brothers wird das Unternehmen kein höheres Gebot mehr abgeben. Diese strategische Kehrtwende erfolgte unmittelbar nachdem Warner Bros. ein deutlich verbessertes Übernahmeangebot des Konkurrenten Paramount als "überlegen" eingestuft hatte.
Finanzielle Disziplin statt Preiskampf
Die Co-Chefs von Netflix, Ted Sarandos und Greg Peters, begründeten den Rückzug mit strenger finanzieller Disziplin. "Angesichts des jüngsten Angebots von Paramount ist der Deal finanziell nicht mehr attraktiv", erklärten die beiden Top-Manager in einer offiziellen Stellungnahme. Sie betonten, dass die ursprünglich ausgehandelte Transaktion zwar einen Mehrwert für die Aktionäre geschaffen und einen klaren Weg zur behördlichen Genehmigung geboten hätte, aber nur zum richtigen Preis.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Paramount bietet aktuell 108,4 Milliarden US-Dollar für den gesamten Warner Bros. Discovery-Konzern inklusive TV-Sendern wie CNN. Netflix hatte dagegen lediglich knapp 83 Milliarden Dollar für die Filmstudios und das Streaming-Geschäft im Angebot. Diese erhebliche Differenz von über 25 Milliarden Dollar war für Netflix offenbar nicht mehr zu rechtfertigen.
Warner Bros. hält an Netflix-Empfehlung fest
Trotz des überlegenen Paramount-Angebots hat der Verwaltungsrat von Warner Bros. überraschenderweise an seiner ursprünglichen Empfehlung festgehalten. Die Aktionäre sollen weiterhin das Übernahmeangebot von Netflix annehmen, wie in einer nach US-Börsenschluss veröffentlichten Mitteilung bekannt wurde. Die entscheidende Abstimmung wurde auf den 20. März terminiert, und die Übernahmevereinbarung mit Netflix bleibt vorerst in Kraft.
Diese Entwicklung ist besonders bemerkenswert, da Warner und Netflix bereits Anfang Dezember eine verbindliche Übernahmevereinbarung für das Studio- und Streaming-Geschäft unterzeichnet hatten. Nur wenige Tage später hatte Paramount dann direkt die Aktionäre mit seinem deutlich höheren Gesamtangebot umworben und damit den Bieterwettlauf neu entfacht.
"Nice to have" statt "Must have"
Die Netflix-Führung machte in ihren Äußerungen deutlich, dass die Warner-Übernahme für das Unternehmen nie existenziell notwendig war. "Diese Transaktion war immer ein 'Nice to have' zum richtigen Preis, kein 'Must have' um jeden Preis", betonten Sarandos und Peters. Gleichzeitig äußerten sie Bedauern über den möglichen Verlust: "Wir sind überzeugt, dass wir die ikonischen Marken von Warner Bros. gut geführt hätten und dass unser Deal die Unterhaltungsindustrie gestärkt und mehr Arbeitsplätze in der Produktion in den USA erhalten und geschaffen hätte."
Die Entscheidung von Netflix markiert einen Wendepunkt in einem der größten Medien-Deals der letzten Jahre. Während Paramount nun mit seinem Milliardenangebot in Führung liegt, zeigt Netflix sich als disziplinierter Akteur, der nicht bereit ist, sich in einen ruinösen Preiskampf verwickeln zu lassen. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei den Warner-Aktionären, die im März über die Zukunft des traditionsreichen Studios abstimmen werden.



