Deutscher Presserat verzeichnet Rekordzahl an Rügen: Über 100 Verstöße gegen Pressekodex in 2025
Presserat: Rekordzahl an Rügen gegen Journalismus 2025

Deutscher Presserat verzeichnet Rekordzahl an Rügen: Über 100 Verstöße gegen Pressekodex in 2025

Noch nie in seiner Geschichte seit der Gründung im Jahr 1956 hat der Deutsche Presserat so viele erschienene Beiträge gerügt wie im vergangenen Jahr. Laut dem aktuellen Jahresbericht für 2025 wurden insgesamt 2636 Beschwerden an das Selbstkontrollorgan der deutschen Presse gerichtet. Diese führten zu einer historischen Marke von 102 öffentlichen Rügen, die wegen Verstößen gegen die Regeln des professionellen Journalismus ausgesprochen wurden.

Beschwerden zur 'Bild'-Zeitung im Fokus

Besonders auffällig war die hohe Zahl an Beschwerden, die sich gegen die 'Bild'-Zeitung richteten. Mit 38 Rügen, einschließlich ihrer Ableger, lag das Boulevardmedium an der Spitze der Statistik. Ein prominenter Fall betraf einen Beitrag über den Tod des Al-Jazeera-Korrespondenten Anas Al-Sharif in Gaza, der mit der Zeile 'Als Journalist getarnter Terrorist in Gaza getötet' überschrieben war. Der Beschwerdeausschuss wertete dies als Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht und der persönlichen Ehre, da die Behauptung nicht mit nachprüfbaren Belegen hinterlegt wurde.

Der Presserat betont in seinem Bericht, dass Entscheidungen stets ohne Ansehen der Person oder Bewertung politischer Haltungen getroffen werden. Der alleinige Maßstab bleibt der Pressekodex, der für alle Medien gleichermaßen gilt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Verteilung der Rügen und Medienformen

Im Jahr 2025 sprachen die Beschwerdeausschüsse neben den 102 Rügen auch 130 Missbilligungen und 139 Hinweise aus. Die häufigste Beanstandung war mit über 40 Prozent die Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht. Auf Platz zwei folgten mediale Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes in 30 Fällen. Weitere Rügen betrafen Sensationsberichterstattung und die fehlende Trennung zwischen Werbung und Redaktion, wobei letzteres eine steigende Tendenz aufweist.

Von den öffentlichen Rügen wurden 82 publik gemacht, was etwa 84 Prozent entspricht. Der Presserat hat jedoch keine Sanktionsmöglichkeiten, um die Veröffentlichung zu erzwingen. Mehr als jeder dritte geprüfte Artikel stammte von einer Regionalzeitung, gefolgt von Boulevardmedien und Publikumszeitschriften.

Erweiterter Aufgabenbereich und aktuelle Herausforderungen

Der Deutsche Presserat ist längst nicht mehr nur für klassische Zeitungen und Zeitschriften zuständig. Sein Aufgabenbereich umfasst auch deren Onlineangebote sowie Onlinedienste, die nicht an gedruckte Medien gekoppelt sind. Im Jahr 2026, anlässlich seines 70. Geburtstags, wird der Presserat als wichtiger denn je beschrieben, um die Qualität und Integrität der Berichterstattung zu gewährleisten.

Der Jahresbericht unterstreicht: 'Pressefreiheit wird vor staatlicher Intervention geschützt, indem die Presse selbst für die Qualität und Integrität ihrer Berichterstattung einsteht.' In einer Zeit zunehmend polarisierter Debatten in Deutschland steht der Presserat somit vor nie dagewesenen Herausforderungen, die seine Rolle als Selbstkontrollorgan weiter stärken.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration