Nach Vierfachmord: Professorin erhält 10 Millionen Dollar nach Verleumdungsklage gegen TikTokerin
Ein Bundesgericht in Idaho hat ein wegweisendes Urteil im Zusammenhang mit einem der aufsehenerregendsten Mordfälle der USA gefällt. Professorin Rebecca Scofield (40) von der University of Idaho wurde nach monatelanger Rufschädigung im Internet eine Entschädigung in Höhe von 10 Millionen Dollar zugesprochen. Die Zahlung muss die TikTokerin Ashley Guillard (41) aus Texas leisten, die die Wissenschaftlerin fälschlicherweise mit einem Vierfachmord in Verbindung gebracht hatte.
Die tragischen Hintergründe des Falls
Im Jahr 2022 erschütterte ein brutaler Vierfachmord an vier Studenten in einer Wohngemeinschaft die gesamte USA. Die Tat löste landesweites Entsetzen aus und beschäftigte Ermittler über Wochen. Erst im Juli 2025 wurde der Täter Bryan Kohberger (31) nach seinem Schuldbekenntnis zu lebenslanger Haft verurteilt, wobei er der Todesstrafe entging. Doch parallel zu den strafrechtlichen Konsequenzen entwickelte sich im Internet eine zweite, zivilrechtliche Tragödie.
Die TikTokerin Ashley Guillard, die sich als Tarot-Leserin und spirituelle Ermittlerin präsentiert, begann zahlreiche Videos zu veröffentlichen, in denen sie Professorin Rebecca Scofield schwer belastete. Ohne jegliche Beweise behauptete Guillard, es habe eine geheime Beziehung zwischen Scofield und einem der Opfer bestanden und die Professorin habe den Mord in Auftrag gegeben. Die Ermittlungsbehörden hatten Scofield zu keinem Zeitpunkt als Verdächtige geführt.
Systematische Rufschädigung durch Social Media
Trotz der offensichtlich fehlenden Grundlage verbreiteten sich die Videos der TikTokerin rasend schnell im Netz. Der Name der angesehenen Wissenschaftlerin wurde öffentlich mit dem grausamen Verbrechen verknüpft, was ihren Ruf massiv beschädigte und ihre berufliche Existenz ernsthaft gefährdete. In den Gerichtsunterlagen wurde dokumentiert, wie Scofield unter den haltlosen Vorwürfen litt.
Die Professorin entschied sich schließlich, juristisch gegen die Influencerin vorzugehen und reichte Klage wegen Verleumdung ein. Im Zentrum des Prozesses stand die Frage, ob Guillard wissentlich falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet hatte, um Scofields Reputation zu schädigen.
Klares Urteil mit deutlicher Botschaft
Das Bundesgericht in Idaho kam nach sorgfältiger Prüfung zu einem eindeutigen Ergebnis. Die Jury entschied, dass die TikTokerin bewusst falsche und rufschädigende Aussagen veröffentlicht hatte. Das Urteil umfasst 10 Millionen Dollar Schadenersatz, was etwa 8,5 Millionen Euro entspricht. Die Summe setzt sich aus Entschädigungs- und Strafzahlungen zusammen.
Das Gerichtsurteil sendet eine klare Botschaft: Auch Aussagen in sozialen Netzwerken können schwerwiegende rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Während der verurteilte Mörder seine lebenslange Haftstrafe verbüßt, markiert dieses Zivilurteil das Ende des öffentlichen Streits um die unbegründeten Anschuldigungen.
Formelle Rehabilitierung nach monatelangem Leidensweg
Für Professorin Rebecca Scofield bedeutet das Urteil mehr als nur finanzielle Entschädigung. Es stellt eine formelle Rehabilitierung dar, nachdem ihr Name monatelang ohne jede Grundlage mit einem der schockierendsten Mordfälle der jüngeren US-Geschichte in Verbindung gebracht worden war. Das Gericht hat damit nicht nur ihr Recht auf Schutz ihrer persönlichen Ehre bestätigt, sondern auch einen wichtigen Präzedenzfall für ähnliche Fälle von Verleumdung im digitalen Zeitalter geschaffen.
Die Entscheidung unterstreicht, dass die Anonymität und Reichweite sozialer Medien keine Freikarte für haltlose Beschuldigungen darstellen. Selbst wenn strafrechtliche Verfahren abgeschlossen sind, wie im Fall des verurteilten Mörders Bryan Kohberger, können zivilrechtliche Konsequenzen für diejenigen folgen, die unbegründete Vorwürfe verbreiten.



