Pussy Riot protestiert gegen Russlands Propaganda bei Biennale
Pussy Riot protestiert gegen Russlands Propaganda

Die russische Aktivistengruppe Pussy Riot hat gemeinsam mit dem ukrainischen Kollektiv Femen vor dem Russland-Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig protestiert. Die Aktion richtete sich gegen die Teilnahme Russlands an der internationalen Kunstausstellung, die nach Ansicht der Aktivistinnen als Bühne für Staatspropaganda genutzt werde.

Protest vor dem Russland-Pavillon

Am Eröffnungstag der Biennale versammelten sich Mitglieder beider Gruppen vor dem Pavillon und hielten Transparente mit Aufschriften wie „Stoppt die Propaganda“ und „Kunst ist nicht neutral“. Die Aktivistin Nadja Tolokonnikowa, Mitbegründerin von Pussy Riot, kritisierte scharf, dass Russland Künstler entsende, die „im Dienst der Staatspropaganda“ stünden. „Moskau schickt keine neutralen Künstler zur Biennale, sondern solche, die das Regime unterstützen“, sagte sie in einem Interview mit dem SPIEGEL.

Kritik an der Ausstellungsleitung

Tolokonnikowa forderte die Leitung der Biennale auf, die Teilnahme Russlands zu überdenken. „Es kann nicht sein, dass ein Land, das einen Angriffskrieg führt, hier seine Kultur präsentiert, als ob nichts wäre“, erklärte sie. Die Biennale solle klare Kriterien für die Teilnahme von Ländern aufstellen, die gegen internationales Recht verstoßen. Sie schlug vor, dass Russland erst dann wieder teilnehmen dürfe, wenn es den Krieg beende und unabhängige Künstler entsende.

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Femen unterstützt den Protest

Das ukrainische Kollektiv Femen schloss sich dem Protest an und machte mit einer eigenen Aktion auf die Situation in der Ukraine aufmerksam. Eine Aktivistin entblößte ihre Brust, auf die „Free Ukraine“ geschrieben war, und rief Parolen gegen den Krieg. Die Sicherheitskräfte griffen ein und führten die Frau ab. Trotz des Einschreitens konnte die Botschaft der Aktivistinnen nicht überhört werden.

Reaktionen auf den Protest

Die Organisatoren der Biennale äußerten sich bislang nicht offiziell zu den Forderungen. In sozialen Medien wurde der Protest jedoch breit diskutiert. Viele Nutzer unterstützten die Aktion und forderten ebenfalls einen Ausschluss Russlands. Andere kritisierten, dass Kunst und Politik getrennt werden sollten. Tolokonnikowa widersprach dieser Ansicht: „Kunst ist nie unpolitisch. Gerade in Zeiten des Krieges müssen Künstler Verantwortung übernehmen.“

Hintergrund: Russlands Teilnahme an der Biennale

Der Russland-Pavillon ist einer der ältesten auf dem Gelände der Biennale und wurde bereits mehrfach für politische Botschaften genutzt. In diesem Jahr zeigt Russland eine Ausstellung mit dem Titel „Die neue Normalität“, die offiziell den gesellschaftlichen Wandel thematisiert. Kritiker sehen darin jedoch einen Versuch, die Realität des Krieges zu verschleiern. Die Kuratoren der Ausstellung wiesen die Vorwürfe zurück und betonten, dass Kunst über politischen Konflikten stehe.

Der Protest von Pussy Riot und Femen ist Teil einer Reihe von Aktionen, die sich gegen die Instrumentalisierung von Kultur durch autoritäre Regime richten. Die Aktivistinnen kündigten an, ihren Widerstand fortzusetzen, bis Russland seine Teilnahme an der Biennale beende oder unabhängige Künstler entsende.

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