Polymarket-Wetten: Journalist erhält Todesdrohungen wegen Bericht über Irankrieg
Für den israelischen Kriegskorrespondenten Emanuel Fabian war es zunächst nur eine routinemäßige Meldung in seinem Liveblog für die Zeitung »Times Of Israel«. Am 10. März berichtete er kurz über einen Raketeneinschlag außerhalb der Stadt Beit Schemesch, der keine größeren Schäden oder Verletzten verursachte. Doch diese Nachricht von wenigen Zeilen sollte unerwartet zu einer gefährlichen Bedrohung für den Journalisten werden, als sie mit Millionenwetten auf der umstrittenen Plattform Polymarket kollidierte.
Von Korrekturanfragen zu expliziten Drohungen
In den Tagen nach der Veröffentlichung erhielt Fabian zunächst einige E-Mails, die eine Korrektur anregten. Unbekannte behaupteten, es habe sich bei dem Vorfall nicht um eine iranische Rakete, sondern nur um Überreste einer Abfangrakete gehandelt. Der Journalist überprüfte seine Quellen, darunter Videoaufnahmen, und kam zum Schluss, dass die Explosion nicht zu einer Abfangrakete passte. Die Meldung blieb daher unverändert online.
Was folgte, war eine Eskalation, die Fabian zunächst nicht nachvollziehen konnte. Über E-Mail, WhatsApp, Discord, X und sogar durch persönliche Nachrichten von Kollegen versuchten immer mehr Unbekannte, die gleiche Änderung durchzusetzen. Die Nachrichten enthielten zuerst versteckte, dann explizite Drohungen. In einer WhatsApp-Nachricht mitten in der Nacht hieß es: »Nachdem du uns 900.000 Dollar Verlust beschert hast, werden wir mindestens denselben Betrag investieren, um dich fertigzumachen.« Neben Drohungen gab es auch Bestechungsversuche, doch der Grund für diese massiven Summen blieb dem Journalisten anfangs unklar.
Millionenwetten auf Polymarket als treibende Kraft
Erst als Fabian die Profile hinter den Forderungen auf X untersuchte, stieß er auf die Verbindung zur Wettplattform Polymarket. Dort können Nutzerinnen und Nutzer Anteile an Ereignissen wie Präsidentschaftswahlen oder Kriegsgeschehnissen kaufen, ähnlich einem Kapitalmarktinstrument. Im Fall des Irankriegs gibt es einen Eintrag, bei dem Spieler darauf setzen können, an welchem Tag Iran einen erfolgreichen militärischen Schlag gegen Israel führen würde. Mittlerweile sind dort mehr als 20 Millionen Dollar im Spiel.
Die Regeln definieren genau, was als erfolgreicher Schlag gilt: Iranische Raketen, die nicht abgefangen wurden, zählen, während Angriffe der Hisbollah oder Cyberattacken ausgeschlossen sind. Als Quellen für den Ausgang gelten offizielle Militärberichte und glaubwürdige Medienberichte – hier wurde Fabians Meldung zum unfreiwilligen Schiedsrichter. Neben den Drohungen kursierte sogar eine gefälschte E-Mail, in der Fabian angeblich einen Fehler einräumte.
Polizei und Plattform reagieren auf die Vorfälle
Der Journalist wandte sich an die Polizei und an Polymarket. Die Plattform verurteilte die Drohungen öffentlich auf X und kündigte an, die Konten aller Beteiligten gesperrt zu haben. »Wir werden ihre Daten an die zuständigen Behörden weiterleiten«, hieß es in einer Stellungnahme. Fabian versucht nun, einen Schlussstrich zu ziehen, und betont, dass der Versuch, seine Berichterstattung zu beeinflussen, gescheitert ist.
Gleichzeitig warnt er vor den Risiken solcher Plattformen für den Journalismus: »Ich befürchte, dass andere Journalisten möglicherweise weniger ethisch handeln, wenn ihnen ein Teil des Gewinns versprochen wird.« Dieser Fall zeigt, wie Online-Wetten zu einer Bedrohung für die Pressefreiheit werden können, wenn finanzielle Interessen auf unabhängige Berichterstattung treffen.



