Fahri Yardım äußert sich nach tagelangem Schweigen zu Vorwürfen gegen Christian Ulmen
Dreieinhalb Tage nach der Veröffentlichung der schwerwiegenden Vorwürfe von Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen hat sich nun auch dessen Freund und Kollege Fahri Yardım zu dem Skandal geäußert. In einem ausführlichen Instagram-Post nimmt der Schauspieler, der von 2017 bis 2023 neben Fernandes und Ulmen in der Serie »Jerks« mitwirkte, erstmals Stellung zu den Anschuldigungen digitaler sexualisierter Gewalt.
Verspätete und unvollständige Stellungnahme
Yardım räumt in seinem Statement selbstkritisch ein, dass seine Positionierung »verspätet« und »unvollständig« sei. »Ich bin genauso geschockt wie viele andere«, schreibt der Schauspieler, der mit Ulmen auch Werbespots für die Telekom drehte. Er begründet sein langes Schweigen damit, dass er Zeit benötigt habe, um die Situation zu verarbeiten.
»Ich brauchte Zeit«, erklärt Yardım in seinem Post. Ihm sei bewusst, dass sein Zögern, sich öffentlich zu positionieren, »nicht neutral ist« und konkrete Wirkung entfalte. »Es beeinflusst, welche Deutungen Gewicht bekommen«, schreibt er und zeigt sich der historischen Dimension des Problems bewusst: Solches Zögern habe in der Vergangenheit oft dazu beigetragen, dass Betroffenen von sexualisierter digitaler Gewalt nicht geglaubt wurde.
Abgründe im Freundeskreis und strukturelle Solidarität
Der Schauspieler versucht in seiner Stellungnahme deutlich zu machen, »was es bedeutet, wenn sich solche Abgründe im engen Freundeskreis auftun«. Gleichzeitig verstehe er, dass sein Zögern »und das Ausbleiben einer rechtzeitigen Position« selbst bereits eine Position darstelle – mit realen Konsequenzen, denen er sich stellen wolle.
Collien Fernandes sichert Yardım seine »volle Solidarität« zu, insbesondere dafür, »wie sie ihre persönliche Geschichte in eine Kraft übersetzt, die echte strukturelle Veränderung möglich macht«. Diese Formulierung zeigt seine Anerkennung für Fernandes' Mut, ihr jahrelanges Martyrium öffentlich zu machen und damit auf das Problem sexualisierter digitaler Gewalt hinzuweisen.
Gemischte Reaktionen und weitere Selbstkritik
Die Reaktionen auf Yardıms Stellungnahme fallen gemischt aus. Während einige Prominente wie Cathy Hummels seine Worte ausdrücklich lobten, üben andere deutliche Kritik. Einige Kommentatoren bemängeln, Yardım habe »viel gesagt, ohne tatsächlich Stellung zu beziehen«. Andere spekulieren sogar, der Text könne von einer KI verfasst worden sein.
Noch am selben Abend reagierte Yardım auf die kritischen Stimmen. »Es stimmt, der Text ist verkopft«, schrieb er in einer Antwort. Sein Statement sei »auch Ausdruck meiner Überforderung«. Der Schauspieler kündigte an, sich erneut zu melden, »wenn ich mein Herz wiedergefunden hab« – eine weitere selbstkritische Äußerung, die seine emotionale Verwirrung in der schwierigen Situation unterstreicht.
Kontext der Vorwürfe und bisherige Reaktionen
Die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen betreffen digitale sexualisierte Gewalt, Deep Fakes und Onlinemissbrauch. Ulmen selbst hat sich zu einem umfangreichen Fragenkatalog des SPIEGEL nicht geäußert, seine Anwälte kritisieren die Berichterstattung. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Im Gegensatz zu Yardım haben sich zahlreiche andere Prominente bereits früher und eindeutiger positioniert – in den allermeisten Fällen mit Solidaritätsbekundungen für Collien Fernandes. Yardıms verspätete und selbstkritische Stellungnahme markiert somit einen besonderen Moment in der öffentlichen Diskussion um den Fall, der weit über die beteiligten Personen hinausreicht und grundsätzliche Fragen zu digitaler Gewalt und Solidarität mit Betroffenen aufwirft.



