ZDF-Chefredakteurin kritisiert eigenen Sender nach KI-Skandal scharf
ZDF-Chefredakteurin kritisiert eigenen Sender nach KI-Skandal

ZDF-Chefredakteurin geht mit eigener Pressestelle hart ins Gericht

Nach dem Skandal um gefälschte Videos im "heute journal" hat ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten (61) den Umgang der eigenen Pressestelle mit dem Vorfall scharf kritisiert. In einem aktuellen Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" äußerte sich die 61-Jährige deutlich zu den Kommunikationspannen des öffentlich-rechtlichen Senders.

"Tragweite des Themas wurde spät erkannt"

"Die Tragweite des Themas wurde spät erkannt", sagte Schausten zur Reaktion des ZDF. "Und es schien zunächst so, als sei es nur um einen technischen Fehler gegangen." Vor anderthalb Wochen hatte das "heute journal" gefälschte Videos über Trumps Abschiebungen von Migranten ausgestrahlt. Eine der Aufnahmen wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt, bei der zweiten handelte es sich um einen vier Jahre alten Clip von der Festnahme eines Jungen nach einer Amokdrohung.

Pressestellen-Erklärung als "Unsinn" bezeichnet

Die ZDF-Pressestelle hatte nach dem Skandal mitgeteilt, dass KI-generierte Bilder bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht gekennzeichnet worden seien. Schausten macht nun klar: "Auch mit Kennzeichnung wäre die Verwendung der KI-Szene nicht erlaubt gewesen." Die Regeln des Senders verbieten in Nachrichtenbeiträgen grundsätzlich KI-Material. "Es gibt eine Ausnahme, wenn das eigentliche Thema des Beitrags selbst KI ist. Das aber war in diesem Fall nicht so. Leider gab es darüber auch am Tag danach noch Unklarheit", so die Chefredakteurin.

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Klärung zu Dunja Hayalis Rolle

Auf die bisher unbeantwortete Frage, ob Moderatorin Dunja Hayali (51) von dem KI-Video wusste, gibt Schausten nun Antwort: "Dunja Hayali kannte den 'heute journal'-Beitrag von Nicola Albrecht nicht." Hayali hatte in der Anmoderation zwar auf die Existenz nicht-echter Videos hingewiesen, war aber nach Angaben der Chefredakteurin nicht über den spezifischen KI-Einsatz informiert.

Keine Überprüfung aller vergangenen Beiträge

Auf die Frage, ob der ZDF alle vergangenen Beiträge auf mögliche ungekennzeichnete Fakes überprüfen werde, antwortete Schausten: "Ich habe keine Veranlassung, alle Beiträge, die wir in den vergangenen Jahren gesendet haben, noch mal zu kontrollieren. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen Fehler machen, bleibt das so gut wie nie unentdeckt."

Konsequenzen für Beitragsautorin

Nach dem Skandal wurde die Autorin des Beitrags, Nicola Albrecht (50), von ihrem Posten als Leiterin des ZDF-Studios in New York abberufen. Als Studioleiterin habe sie "noch mal höhere" Anforderungen gehabt, Regeln einzuhalten, so Schausten. Albrecht bleibt jedoch weiterhin Redakteurin des Senders. "Ich unterstelle in keiner Weise irgendeine Fälschungs- oder Manipulationsabsicht. Ich lasse sie nicht fallen", betonte die Chefredakteurin.

Der Vorfall hat eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit KI-generierten Inhalten in Nachrichtensendungen ausgelöst und zeigt die Herausforderungen, die neue Technologien für etablierte journalistische Standards mit sich bringen.

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