Ehemaliger Erzbischof Becker bittet nach Missbrauchsstudie um Entschuldigung
Der ehemalige Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, hat sich nach der Veröffentlichung einer unabhängigen Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche geäußert und um Entschuldigung gebeten. In einer über die Pressestelle des Erzbistums verbreiteten Erklärung erklärte der seit 2022 im Ruhestand befindliche Geistliche: „Wo mein Handeln auch in späterer Verantwortung dazu beigetragen hat, dass Betroffene nicht ausreichend gesehen, geschützt oder ernst genommen wurden, bitte ich dafür um Entschuldigung.“
Studie deckt erschütternde Zahlen auf
Die am vergangenen Donnerstag vorgestellte Untersuchung der Universität Paderborn beleuchtete den Zeitraum von 1941 bis 2002. In dieser Ära amtierten die Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt. Unter Letzterem fungierte Becker von 1995 bis 1999 als Personaldezernent des Erzbistums. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es mit 210 beschuldigten Klerikern und 489 jungen Opfern deutlich mehr Fälle gab als bislang angenommen.
Die Studie offenbarte zudem, dass die jeweiligen Bistumsleitungen über Jahrzehnte hinweg primär Mitgefühl für die beschuldigten Priester zeigten, während das Leid der Opfer kaum Beachtung fand. Betroffene wurden häufig unter Druck gesetzt, Anzeigen gegen Geistliche zurückzuziehen, was zu einer systematischen Vertuschung beitrug.
Becker reflektiert seine Rolle kritisch
Becker räumte ein, dass die Studie einen Abschnitt der Diözesangeschichte beleuchtet, in dem er bereits leitende Verantwortung trug. Als Personaldezernent war er in Abläufe eingebunden, bei denen über den Umgang mit beschuldigten Priestern entschieden wurde, wobei die finalen Entscheidungen nicht in seiner alleinigen Verantwortung lagen. „Mit Abstand zu meiner Amtszeit sehe ich heute manches anders“, erklärte der ehemalige Erzbischof.
Er betonte, dass ihm bewusster geworden sei, wie leidvoll es für Betroffene war, nicht nur Gewalt zu erfahren, sondern anschließend auf Distanz, Zweifel oder mangelnde Empathie zu stoßen. Viele Opfer hätten erleben müssen, dass ihr Leid nicht ernst genommen oder hinter andere Interessen zurückgestellt wurde. „Dass dies geschehen ist, bedaure ich zutiefst“, so Becker.
Zweite Studie für 2027 angekündigt
Für das Jahr 2027 plant die Universität Paderborn eine zweite Missbrauchsstudie, die die Amtszeit von Becker als Erzbischof bis 2022 untersuchen wird. Becker erklärte, dass er dem Ergebnis dieser Forschung nicht vorgreifen wolle, sich aber unabhängig davon bereits heute der Frage nach seiner späteren Verantwortung stelle. Während seiner Amtszeit als Erzbischof seien Maßnahmen wie Aufarbeitungskommissionen, Prävention und Intervention initiiert worden.
Der ehemalige Erzbischof hat sich durch Interviews an der unabhängigen Erarbeitung der zweiten Studie beteiligt und betont die Bedeutung einer intensiven und sorgfältigen Forschungsarbeit. Das Erzbistum Paderborn erstreckt sich geografisch über Teile Nordrhein-Westfalens, Hessens und Niedersachsens, von Minden im Norden bis Siegen im Süden und von Herne im Westen bis Höxter im Osten.



