Historischer Glockenwechsel in Perlebergs Stadtkirche
Seit dem vergangenen Herbst wird der Turm der St.-Jacobi-Kirche in Perleberg umfassend saniert. Ein zentrales Element dieser Arbeiten ist der Austausch der historischen Kirchenglocken. Ursprünglich sollte das neue Geläut bereits zu Ostern ertönen, doch nach einigen Verzögerungen ist nun die zweite Aprilwoche als Termin für das erste Erklingen festgelegt worden.
Jahrzehntelange Planung und Umsetzung
Klaus-Dieter Graf, Mitglied des Bauausschusses des Evangelischen Kirchenkreises Prignitz und Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Perleberg, betont die lange Vorbereitungszeit: „Wir beschäftigen uns schon seit über zehn Jahren mit diesem Projekt. Seit vorigem Herbst setzen wir es nun endlich um.“ Im November verließen die beiden alten Stahlgussglocken nach mehr als einem Jahrhundert Dienst den Kirchturm. Diese wurden vorerst eingelagert und könnten später öffentlich ausgestellt werden.
Wertvolles Geläut aus katholischer Kirche
Die sechs neuen Bronzeglocken, die das alte Geläut ersetzen werden, stammen aus einer katholischen Kirche in Essen in Nordrhein-Westfalen. Aufgrund ihres hohen materiellen und historischen Wertes werden sie derzeit an einem geheimen Ort im Perleberger Umland gelagert. Gerhard Gundske vom Ortskirchenrat Perleberg erklärt die Dringlichkeit des Wechsels: „Die alten Stahlgussglocken haben eine Lebensdauer von nur etwa 120 Jahren. Dieser Austausch war dringend notwendig.“
Umfangreiche Bauarbeiten am Kirchturm
Um das Gewicht der neuen Bronzeglocken tragen zu können, müssen umfangreiche Stabilisierungsarbeiten durchgeführt werden:
- Die Glockenebene wird mit Beton verstärkt
- Die Außengiebel und Fassaden werden saniert
- Der Treppenaufgang wird modernisiert
Für diese Arbeiten muss der Verkehr am Großen Markt zeitweise eingeschränkt werden. Am kommenden Dienstag ist eine Sperrung von 8 bis 14 Uhr geplant, weitere Einschränkungen könnten in den folgenden Wochen folgen.
Neue Klangwelt für Perleberg
Die sechs neuen Bronzeglocken werden eine völlig andere Klangcharakteristik als die alten Stahlglocken haben. Gerhard Gundske beschreibt die Unterschiede: „Die Glocken haben schon ihren eigenen Klang, ganz anders als die Stahlglocken. Obwohl sie ähnliche Tonhöhen haben werden, erschaffen sie durch ihre größere Anzahl ganz neue Klangbilder.“
Traditionelle Läutebräuche sollen erhalten bleiben, darunter das Donnerstagsläuten für Neugeborene. Früher wurde zwei Minuten für jedes neugeborene Kind geläutet – an der Dauer des Geläuts konnte die Bevölkerung ablesen, wie viele Kinder geboren worden waren.
„Das neue Geläut wird eine eigene Sprache sprechen“, so Gundske weiter. „Wer genau hinhört, wird erkennen können: Da ist vielleicht jemand gestorben, da ist ein kirchlicher Feiertag, wenn mehrere Glocken läuten.“ Auf diese akustischen Nuancen darf sich die Perleberger Bevölkerung ab der zweiten Aprilwoche freuen, wenn die neuen Glocken erstmals über den Großen Markt hallen werden.



