Neuer Papst gestaltet erstes Osterfest mit traditionellem Akzent
Das diesjährige Osterfest im Vatikan markiert einen deutlichen Wandel gegenüber den letzten Jahren. Papst Leo XIV., der mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost heißt und seit Mai vergangenen Jahres das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken ist, feiert sein erstes Osterfest als Pontifex. Der 70-jährige US-Amerikaner mit peruanischem Pass setzt dabei auf eine Rückkehr zu traditionellen Formen und Würden.
Kontrast zum Vorgänger Franziskus
Vor einem Jahr erlebten viele Katholiken das Osterfest noch in düsterer Stimmung. Papst Franziskus, der am Ostermontag 2025 im Alter von 88 Jahren verstarb, war am Ostersonntag nur noch zu wenigen verständlichen Sätzen fähig, bevor er sterbensschwach im Papamobil über den Petersplatz fuhr. Die Bilder dieses Jahres werden hingegen ganz anders ausfallen: Ein gesunder, jüngerer Papst, der bewusst auf traditionelle Elemente setzt.
Leo XIV. hat in seinen ersten elf Monaten im Amt bereits klare Signale gesendet, dass er manches anders handhaben will als sein beliebter Vorgänger. Während Franziskus außerhalb des Vatikans große Popularität genoss, aber innerhalb der Mauern auf Widerstand stieß, legt Leo wieder mehr Wert auf etablierte Rituale und die päpstliche Repräsentation.
Traditionelle Rituale statt sozialer Aktionen
Am Gründonnerstag zeigte sich der neue Kurs besonders deutlich: Die Messe zur Erinnerung an das letzte Abendmahl fand nicht mehr in einer römischen Sozialeinrichtung oder einem Gefängnis statt, wie es unter Franziskus üblich war, sondern in der Papstbasilika San Giovanni in Laterano. Dort wusch Leo XIV. zwölf katholischen Priestern die Füße und küsste diese anschließend – eine Geste, die auf die biblische Erzählung von Jesus zurückgeht, der seinen Jüngern aus Demut die Füße wusch.
Franziskus hatte diese Tradition sozial ausgeweitet: Er besuchte Häftlinge und Asylbewerber und wusch dabei auch Frauen und Muslimen die Füße. Leo kehrt nun zur klassischen Auslegung zurück, bei der ausschließlich Priester diese symbolische Handlung empfangen.
Körperliche Fitness ermöglicht aktive Teilnahme
Am Karfreitag setzte Papst Leo XIV. ein weiteres Zeichen: Bei der Prozession am Kolosseum, bei der Zehntausende Gläubige den Leidensweg Jesu nachgehen, trug der Pontifex persönlich das Kreuz. Franziskus hatte dies selbst in seinen gesünderen Jahren nicht getan und musste in seinen letzten Lebensjahren ganz auf die Teilnahme am Kreuzweg verzichten.
Leo, der als passionierter Tennisspieler bekannt ist, verfügt über die nötige körperliche Fitness. Sogar einen Fitnessraum hat er in der päpstlichen Wohnung im Apostolischen Palast einbauen lassen – ein weiterer Kontrast zu Franziskus, der während seiner gesamten Amtszeit im bescheidenen Gästehaus des Vatikans wohnte.
Veränderte Lebensweise und diplomatische Präsenz
Der neue Papst nutzt auch die Sommerresidenz in Castel Gandolfo regelmäßig, während sein Vorgänger sich dort kaum blicken ließ. Unter der Woche zieht es Leo häufig dorthin, meist dienstags. Dabei bricht er manchmal mit dem üblichen Protokoll und äußert sich zu aktuellen Themen – wie kürzlich zum Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran.
Auf die Frage eines Fernsehreporters, ob er einen Appell an US-Präsident Donald Trump richten wolle, antwortete Leo: „Hoffentlich sucht er einen Ausweg. Hoffentlich sucht er nach einer Möglichkeit, das Ausmaß der Gewalt und der Bombardierungen zu verringern.“ Ein Ende der Feindseligkeiten wäre ein „bedeutender Beitrag dazu, den entstehenden Hass abzubauen, der ständig zunimmt – im Nahen Osten und anderswo“.
Erwartungen an den Ostersegen
Nun wird spekuliert, dass Papst Leo XIV. sein erstes Ostern nutzen könnte, um über den traditionellen Segen Urbi et Orbi hinaus deutlicher als üblich für Frieden zu appellieren. Angesichts der Kriege im Nahen Osten, in der Ukraine und anderen Konfliktregionen weltweit könnte der Pontifex hier inhaltliche Akzente setzen.
Bisher hat Leo XIV. zwar in äußerlichen Fragen deutliche Unterschiede zu Franziskus gezeigt, inhaltlich aber noch keine wesentlich neuen Schwerpunkte gesetzt. Sein erstes Osterfest als Papst könnte daher eine Gelegenheit bieten, sowohl traditionelle Würde zu wahren als auch klare Botschaften in eine unruhige Welt zu senden.



