Trump provoziert mit KI-Bild und Papst-Kritik: Allmachtsfantasien verärgern US-Katholiken
US-Präsident Donald Trump hat sich mit der katholischen Kirche angelegt und damit selbst treue Anhänger verärgert. Mit einem blasphemisch anmutenden KI-Bild und scharfer Kritik am Papst provoziert der Präsident in einer für ihn außergewöhnlichen Weise. Das Bild zeigt Trump in weißem Gewand und rotem Umhang, wie er einem Mann im Krankenbett die Hand auf die Stirn legt – eine Szene, die an religiöse Ikonografie erinnert, während im Hintergrund Kampfflugzeuge fliegen und die Freiheitsstatue thront.
Schwere Vorwürfe von Kirchenvertretern
Die Reaktionen aus kirchlichen Kreisen ließen nicht lange auf sich warten. Erzbischof Paul Coakley, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, äußerte sich bestürzt: „Ich bin bestürzt über diese Darstellung.“ Mehrere einflussreiche Geistliche zeigten sich mindestens besorgt über Trumps Vorgehen. Die Washington Post warnte, Trump riskiere, „konservative Katholiken zu verprellen“ – eine bedeutende Wählergruppe, die bei den anstehenden Midterm-Wahlen entscheidend sein könnte.
Rund ein Fünftel der erwachsenen US-Amerikaner sind Katholiken, und diese Gruppe gilt als sogenannte „Swing“-Gruppe, die bei Wahlen stärker gespalten ist als evangelikale Protestanten. Eine aktuelle Studie des Pew Research Centers zeigt, dass immer weniger weiße Katholiken davon überzeugt sind, dass Trump im Amt ethisch handelt. Für den Präsidenten, der im Repräsentantenhaus eine hauchdünne Mehrheit verteidigen muss, könnte diese Entwicklung politische Konsequenzen haben.
Schadensbegrenzung ohne Einsicht
Trump versuchte, Schadensbegrenzung zu betreiben – allerdings ohne einen Fehler einzugestehen. Das KI-Bild habe ihn als Arzt zeigen sollen, und er helfe ja schließlich den Menschen, erklärte der Präsident. Auf die dramatische Inszenierung und Vorwürfe der Blasphemie ging er nicht ein. Sein Vizepräsident JD Vance relativierte: Trump habe das Bild „als Scherz gepostet“, und dann festgestellt, dass „eine Menge Leute seinen Humor in dem Fall nicht verstehen“.
Doch Trumps Kritik an Papst Leo XIV. bekräftigte Vance deutlich. Der 41-jährige Vizepräsident empfahl dem Papst, sich aus der US-Politik herauszuhalten: „In manchen Fällen wäre es das Beste für den Vatikan, sich auf moralische Angelegenheiten zu konzentrieren.“ Die US-Politik solle der Papst dem Präsidenten überlassen.
Langjährige Spannungen eskalieren
Das angespannte Verhältnis zwischen Trump und dem Papst hat eine lange Vorgeschichte. Leo XIV. wurde bereits nach seiner Wahl im Mai vergangenen Jahres als „Anti-Trump“ bezeichnet. Als einfacher Kardinal unter seinem bürgerlichen Namen Robert Francis Prevost hatte sich Leo gegen Äußerungen von Vance zur Migrationspolitik gestellt.
Die jüngste Eskalation begann, als Trump dem Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken vorwarf, eine „schreckliche“ Außenpolitik zu betreiben. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb der Präsident: „Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan.“ Der Papst konterte: „Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.“
Erzbischof Coakley betonte in seiner Reaktion: „Der Papst ist nicht Trumps Rivale und auch kein Politiker. Er ist der Stellvertreter Christi, der aus der Wahrheit des Evangeliums heraus spricht und für das Wohl der Seelen sorgt.“ Der Erzbischof von Denver, James Golka, verwies auf die katholische Lehre, die dazu aufrufe, „die Würde jedes Menschen zu achten und uns mit Höflichkeit und Respekt am öffentlichen Leben zu beteiligen“.
Die Frage bleibt, ob Trump mit seinen Allmachtsfantasien die falsche Wählergruppe verärgert hat – und welche politischen Konsequenzen dies für die anstehenden Wahlen haben könnte. Statt als Heiland gefeiert zu werden, droht dem Präsidenten bei einer Niederlage im Repräsentantenhaus der Status einer „lame duck“ – einer lahme Ente ohne politische Gestaltungsmacht.



