Liebe auf den ersten Blick: 65 Jahre Ehe mit Hindernissen
Erika und Werner Wiskow aus Anklam blicken auf 65 gemeinsame Ehejahre zurück. Ihre Geschichte ist geprägt von kleinen, unvergesslichen Momenten – wie jener turbulenten Motorradfahrt kurz vor der Hochzeit, die ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist.
Ein turbulenter Start ins Eheleben
Am Tag vor der Hochzeit holte das Paar lebende Aale aus Anklam ab, die für das Hochzeitsessen in Unnode bei Jarmen zubereitet werden sollten. Die acht agilen Tiere wurden in einem Rucksack transportiert, den Erika auf dem Rücken trug. Während der Fahrt wuchs ihre Sorge, dass die Aale entwischen könnten. „Du musst schneller fahren!“, rief sie ihrem Zukünftigen zu. Heute müssen beide über diese Szene lachen.
Kennengelernt hatten sie sich 1958 in Relzow. Erika hatte gerade ihre Ausbildung als Erzieherin im Lehrlingswohnheim im ehemaligen Gutshaus begonnen, während Werner dort als Lkw-Fahrer arbeitete. Eines Tages sah er sie im Büro – für ihn war es Liebe auf den ersten Blick. Die jungen Leute im Dorf verbrachten viel Zeit miteinander, spielten Volleyball, Fußball und gingen tanzen. Schließlich fasste Werner sich ein Herz und fragte Erika, ob sie ihn als Tischdame zum Geburtstag seines Cousins begleiten würde.
Die Hochzeit und das Familienleben
Die Hochzeit wurde in Unnode gefeiert, wo Erikas Familie nach der Flucht aus Ostpreußen ansässig geworden war. Die Getränke kamen unkompliziert aus der Gaststätte gegenüber, die Musik lieferte Werners Kapelle mit zwei Akkordeonspielern und einem Ersatzschlagzeuger. Das Essen wurde mit Motorrad oder geliehenem Auto herangeholt und in verschiedenen Küchen zubereitet.
Nach der Hochzeit zog das Paar nach Relzow. Die drei Töchter Birgit, Ricarda und Manuela kamen zur Welt und schwärmen noch heute von ihrer Kindheit: Sonntage bei einem alten Waldhaus mit roter Brause, Toben auf der Wiese, Hausaufgaben mit der Mutter und Ausflüge mit dem Trabi an die Ostsee.
Berufliche Veränderungen und Umzug
Erika arbeitete weiter als Erzieherin, Werner begann beim DRK-Krankentransport. Mitte der 1970er Jahre fanden beide eine Anstellung bei der Nationalen Volksarmee (NVA). Die Familie zog 1976 in eine NVA-Wohnung in der Anklamer Südstadt, heute leben sie in der Kastanienstraße. Inzwischen bereichern sechs Enkel und sechs Urenkel ihr Leben.
Auf die Frage nach dem Geheimnis ihrer langen Ehe antwortet Erika augenzwinkernd: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“ Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten fanden sie stets wieder zusammen. Der 65. Hochzeitstag heißt nicht umsonst „Eiserne Hochzeit“ – Eisen steht für Beständigkeit und Widerstandskraft, Eigenschaften, ohne die eine so lange Ehe kaum funktionieren würde.



