Rentenlücke zwingt Senioren: Fast 2 Millionen über 65-Jährige arbeiten weiter
Fast 2 Millionen über 65-Jährige arbeiten weiter

Rentenlücke zwingt Senioren: Fast 2 Millionen über 65-Jährige arbeiten weiter

Eigentlich sollte der wohlverdiente Ruhestand beginnen, doch für Hunderttausende Menschen in Deutschland ist das nicht möglich. Die Zahl der Erwerbstätigen über 65 Jahren ist binnen fünf Jahren um rund 46 Prozent gestiegen und liegt nun bei etwa 1,9 Millionen. Diese alarmierenden Zahlen gehen aus einer Abfrage des Statistischen Bundesamts durch das Bündnis Sahra Wagenknecht hervor.

Dramatischer Anstieg in allen Altersgruppen

Der Trend betrifft nicht nur die Gruppe der 65- bis 69-Jährigen. Auch bei Menschen über 70 und sogar über 75 Jahren gibt es einen deutlichen Zuwachs bei den Erwerbstätigen. Laut offizieller Statistik waren 2020 nur 1,28 Millionen Menschen über 65 als erwerbstätig registriert. Diese Zahl wuchs kontinuierlich auf 1,88 Millionen im Jahr 2025 an.

Die detaillierte Aufschlüsselung zeigt das Ausmaß:

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  • In der Gruppe 70 plus arbeiteten 2025 etwa 653.000 Personen (2020: 469.000)
  • Rund 229.000 Menschen waren im vergangenen Jahr noch im Alter über 75 Jahren berufstätig (2020: 175.000)

Finanzielle Notwendigkeit statt freier Entscheidung

Fachleute identifizieren mehrere Gründe für diese Entwicklung. Ein wesentlicher Faktor ist die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters von 65 auf 67 Jahre seit 2012. Im Jahr 2025 lag es bereits bei mindestens 66 Jahren und zwei Monaten. Wer früher in den Ruhestand gehen möchte, muss meist mit Abschlägen und damit einer dauerhaft niedrigeren Rente rechnen.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht kommentierte die Situation deutlich: „Der Job im Alter ist viel zu oft keine freie Entscheidung, sondern leider finanziell notwendig.“ Sie betonte, dass es zwar positiv sei, wenn Unternehmen auf die Kompetenzen Älterer zurückgreifen, aber: „Der Anstieg der Zahlen zeigt, dass Hunderttausende Rentner schlicht gezwungen sind, ihre schmalen Bezüge aufzubessern.“

Vergleichsweise kleiner Anteil, aber große individuelle Belastung

Zu beachten ist bei der Statistik, dass trotz der deutlichen Zunahme der Anteil der älteren Berufstätigen im Gesamtkontext vergleichsweise klein bleibt. Insgesamt gab es 2025 laut Statistik rund 18,4 Millionen Menschen über 65 Jahren in Deutschland. Die Zahl aller Erwerbstätigen in Hauptwohnsitzhaushalten gibt das Bundesamt mit 42,5 Millionen an.

Neben der finanziellen Notwendigkeit spielen auch persönliche Motivation, der Fachkräftemangel in bestimmten Branchen und der Wunsch nach sozialer Einbindung eine Rolle. Wagenknecht verwies auf das österreichische Rentensystem als mögliches Vorbild, wo die Rentenzahlungen durchschnittlich deutlich höher ausfallen, allerdings auch der Beitragssatz entsprechend angepasst ist.

Die Entwicklung zeigt deutlich, dass für viele Senioren in Deutschland der Übergang in den Ruhestand nicht mehr automatisch mit dem Ende der Erwerbstätigkeit verbunden ist. Die steigenden Zahlen verdeutlichen die wachsende Rentenlücke und die finanziellen Herausforderungen, mit denen viele ältere Menschen konfrontiert sind.

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