Freundschaft im Alter: Ruth (97) und Regine (83) gehen ihren Weg gemeinsam zu Ende
Freundschaft im Alter: Gemeinsam den Weg zu Ende gehen

Freundschaft im Alter: Ruth (97) und Regine (83) gehen ihren Weg gemeinsam zu Ende

Im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, in der MANA-Residenz, leben zwei Frauen, deren Verbindung die Zeit überdauert hat. Ruth Kühn, 97 Jahre alt und ehemalige Krankenschwester aus Neukölln, und Regine Churitz, 83 Jahre alt und frühere Bankangestellte aus Berlin, teilen seit zwei Jahren nicht nur die Nachbarschaft Tür an Tür, sondern auch eine besondere Freundschaft. Wie sie sich genau kennengelernt haben, wissen beide nicht mehr genau – die Demenz hat an den Details genagt. Doch das Gefühl von damals, eine Zufallsbegegnung vor etwa 15 Jahren, bleibt bis heute lebendig.

Zwei unterschiedliche Charaktere, die perfekt zusammenpassen

Vom ersten Eindruck her könnten Ruth und Regine kaum unterschiedlicher sein, doch sie ergänzen sich wie zwei Puzzleteile. Ruth, klein und rundlich, mit kurzen gewellten grauen Haaren und brombeerroten Lippen, ist die Erzählerin des Duos – immer in Bewegung und voller Geschichten. Regine, schlank und mit feinem grau-glänzendem Haar, ist der Ruhepol, der das Ruder in der Hand hält, wie Ruth betont. Trotz ihrer Demenz erinnert sich Ruth an die Anfänge: „Es war eine Zufallsbegegnung. Wir sind beide gebürtige Berlinerinnen und haben direkt gemerkt, dass wir uns sympathisch finden.“

In der MANA-Residenz, einem Seniorenheim mit Platz für 155 Bewohner, haben sie eine Heimat gefunden. Ruth gesteht lachend: „Ich bin doch so ein Duseltier, ich lasse mich gerne leiten, weil ich so bequem bin.“ Dabei verwechselt sie manchmal den Namen ihrer Freundin und nennt sie Petra, was Regine mit Gelassenheit hinnimmt: „Jawoll, ich bin auch damit zufrieden, dass du mich immer Petra nennst, obwohl ich gar nicht Petra heiße. Darauf höre ich eigentlich nicht. Nur, wenn du das sagst.“

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Vertrauen und Aufrichtigkeit als Grundpfeiler der Freundschaft

Was Ruth an Regine besonders schätzt, ist ihre Aufrichtigkeit. „Sie beschönigt nichts, sie macht aber auch nichts schlecht. Ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen. Sie sagt, was sie denkt, ohne dich zu verletzen. Das ist eine Kunst.“ Nach einer kurzen Pause fügt die 97-Jährige hinzu: „Ich hatte noch nie das Gefühl, dass ich jemanden so sehr achte. Sie hat einen goldigen Charakter. Solche Menschen trifft man nicht oft im Leben. Darum halt ich sie mir.“

Regine, eine Frau der Taten statt der Worte, schätzt an Ruth deren natürlichen Charakter. Sie überlässt Ruth das Reden, wiederholt geduldig Fragen, wenn das Gehör ihrer älteren Freundin mal aussetzt, und schiebt sie sogar im Rollstuhl umher. „Wir kümmern uns eben umeinander“, erklärt Regine schlicht. Gemeinsame Interessen wie Spaziergänge und frühere Theaterbesuche stärken ihre Bindung, doch noch wichtiger ist das Vertrauen. Ruth betont: „Das ist die Grundbedingung eines Zusammenlebens. Man lässt sich nicht im Stich.“

Eine Freundschaft, die das ganze Leben hält

Für die Zukunft wünschen sich Ruth und Regine nichts Großes, nur das, was sie bereits haben: „Dass wir lange befreundet bleiben“, sagt Regine. Falls es mal Meinungsverschiedenheiten gibt, winkt Ruth ab: „Meinungsverschiedenheiten gab’s zwischen uns auch mal, na klar. Aber wir sind immer auf der gleichen Schiene geblieben.“ Mit einem Blick in die blassblauen Augen ihrer Freundin fügt sie hinzu: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen, oder Petra?“ Regine nickt zustimmend.

Ihre Freundschaft, die vor 15 Jahren in Berlin begann, hat sich zu einer unerschütterlichen Verbindung entwickelt. Ruth fasst es zusammen: „Eine fundierte Freundschaft hält das ganze Leben. Wir hängen aneinander, stehen für den anderen ein. Ich würde sonst was für sie tun, weil sie mir lieb geworden ist.“ In der MANA-Residenz gehen sie nun ihren Weg gemeinsam zu Ende, unterstützt von der Fürsorge und dem Zusammenhalt, der ihr Leben bereichert.

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