Ein Leben voller Liebe und Rituale
Ingetraud und Franz Schink aus Loitz-Voßbäk haben ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: ihren 70. Hochzeitstag. Die beiden, die im Wohngebiet Voßbäk nahe der Peenestadt leben, blicken auf sieben Jahrzehnte gemeinsamen Lebens zurück. An einem sonnigen Apriltag versammelte sich die Familie, um dieses seltene Ereignis zu würdigen.
Die Frage nach dem Geheimnis
„Aber alles erzählen wir nicht“, scherzt Ingetraud Schink mit einem verschmitzten Lächeln, als die Gäste nach dem Rezept für eine so lange Ehe fragen. Die Runde am festlich gedeckten Kaffeetisch lacht verlegen – sie wollen auch gar nicht alle Details wissen. Dennoch bleibt die Frage im Raum: Wie schafft man es, 70 Jahre lang glücklich verheiratet zu sein?
Der Begriff „Gnadenhochzeit“ für dieses Jubiläum findet bei den Gratulanten wenig Anklang. „Ein irgendwie komisches, fast unfreundliches Wort“, sind sich die fröhlichen Gäste einig. Zu ihnen gehören Kinder, Enkel und Nachbarn, mit denen die Schinks seit Jahrzehnten einen sehr guten Kontakt pflegen.
Glückwünsche von der Bürgermeisterin
Auch Loitz‘ Bürgermeisterin Christin Witt ließ es sich nicht nehmen, persönlich zu gratulieren. Neben herzlichen Worten überreichte sie eine große Glückwunschkarte und eine schöne Blume. „Sie sind seit Beginn meiner Amtszeit vor über sieben Jahren erst das dritte Paar, dem ich zum 70. Hochzeitstag gratuliere. Das ist wirklich etwas Besonderes“, sagte die Rathauschefin beim Händeschütteln.
Ein Zuhause voller Erinnerungen
Ihren Ehrentag verbrachte das Ehepaar in dem Haus, das einst die Eltern der Jubilarin 1949 kauften. Die heute 92-Jährige lebt dort seit ihrer Kindheit. „Hier haben wir nach der Trauung in der kleinen katholischen Kapelle in Loitz auch unsere Hochzeit gefeiert“, erinnert sich Ingetraud Schink gern. Ihr Mann Franz ist zwei Jahre älter und stammt aus Hinterpommern.
Die Liebe begann im Dübelwerk
Kennengelernt haben sich die beiden in den 1950er Jahren bei der Arbeit im Dübelwerk. „Oder war es doch beim Tanz im Schützenhaus?“ überlegt die Jubilarin kurz. „Wir haben beide im selben Betrieb gearbeitet und sind beide gern tanzen gegangen“, stellen die Eheleute gemeinsam klar. Irgendwo dazwischen habe es auf jeden Fall gefunkt. Die Liebe machte den Himmel über Loitz angenehm hell.
„Dann kamen auch bald unsere Kinder. Wir hatten unsere Arbeit, unser Häuschen, den Garten. Mein Mann ging gern an der Peene angeln. Wir hatten ein schönes Leben hier in Loitz. Es ging alles immer so weiter, Schritt für Schritt“, sagt Ingetraud Schink. Ihrer Heimat seien sie stets verbunden gewesen. Fernweh kannten sie nicht. „Wenn wir mal einen Ausflug gemacht haben, dann nach Lubmin an die Ostsee“, erzählt Franz Schink.
Das tägliche Ritual
„Noch heute halten wir an Ritualen fest.“ Mit diesen Worten scheint sich das Geheimnis langsam zu lüften. Ein Familienmitglied gibt den entscheidenden Hinweis: „Was du mir neulich erzählt hast, ist wunderschön. Das beantwortet vielleicht die Frage nach dem Rezept für eine lange Ehe.“ Nun spitzen alle am Tisch die Ohren: „Mein Mann bringt mich immer ins Bett und weckt mich jeden Tag mit einem Frühstück. Egal, was war, auch wenn wir uns mal nicht einig waren und uns ein wenig gestritten hatten. Jeden Tag machen wir das so, morgens und abends.“
Verstehen, verzeihen, verwöhnen
So einfach kann’s sein? „Bei uns hat es jedenfalls funktioniert. Es war auch nicht jeden Tag immer alles nur gut“, erzählt die Frau des Hauses. Welchen Rat gibt sie den jüngeren Generationen mit auf den Weg? „Nicht immer gleich auseinandergehen und alles beenden, wenn’s mal nicht so gut läuft.“



