Eisenbahner mit Herz: Auszeichnung für Menschlichkeit trotz Gewalt im Zugalltag
Eisenbahner mit Herz: Ehrung für Menschlichkeit trotz Gewalt

Eisenbahner mit Herz: Auszeichnung für Menschlichkeit trotz Gewalt im Zugalltag

Der Alltag von Zugbegleitern ist oft geprägt von Herausforderungen und Konfrontationen. Erst kürzlich starb ein Zugbegleiter nach einem brutalen Angriff. In Gedenken an ihn und zur Würdigung besonderer Menschlichkeit startet nun eine Ehrung für Eisenbahner, die in schwierigen Situationen Haltung bewahren.

Goldene Auszeichnung für außergewöhnlichen Einsatz im Schneechaos

Dreieinhalb Stunden steckte ein vollbesetzter Regionalzug im baden-württembergischen Esslingen im Schneechaos fest. Verzweiflung breitete sich unter den Reisenden aus, doch Zugbegleiter Ronald-Phillip Tolkiehn bewahrte die Ruhe. Er kümmerte sich um jeden einzelnen Fahrgast, half wo immer möglich und telefonierte sogar mit dem Bewährungshelfer zweier Häftlinge auf Freigang, die Angst vor einer Strafe hatten.

Für diesen außergewöhnlichen Einsatz erhält Tolkiehn die goldene Auszeichnung "Eisenbahner mit Herz 2026" von der Allianz pro Schiene. Die Verleihung findet im historischen Kaiserbahnhof in Potsdam statt. Der Zugbegleiter ist einer von mehreren Preisträgern, die zum bereits 16. Mal für ihr besonderes Engagement geehrt werden.

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Persönliches Engagement weit über die Pflicht hinaus

Als der Zug endlich Stunden später am Bahnhof ankam, war die Tortur für viele Reisende noch nicht beendet. Ulrike Korn und ihr Mann, auf dem Heimweg von Sylt gestrandet, erwarteten eine Nacht auf Metallbänken. Kein Taxi fuhr mehr, alle schienen angesichts der Schneemassen aufgegeben zu haben.

Doch Tolkiehn gab nicht auf. Kurzerhand lud er das ältere Ehepaar in sein eigenes Auto und fuhr sie langsam und bedächtig durch den Schnee bis nach Hause. "Es ist einfach meine Art", erklärt der Zugbegleiter von Arverio seine Motivation. "Wenn ich sehe, dass einer Hilfe braucht, dann biete ich meine Hilfe an."

Gedenkminute für den getöteten Zugbegleiter Serkan Çalar

Genau diese zupackende Art soll mit der Auszeichnung gewürdigt werden, betont Pressesprecherin Sabrina Wendling. Bahnbeschäftigte erlebten im Alltag häufig verbale und körperliche Übergriffe. "Und viele machen trotz allem, was sie erleben, ihren Job gern. Trotz aller Hürden wie Verspätungen oder Sicherheitsbedenken." Ihnen solle etwas Wertschätzung und Anerkennung zurückgegeben werden.

Die Preisverleihung in diesem Jahr hat besondere Bedeutung, nachdem im Februar ein tödlicher Angriff auf einen Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz stattfand. "Wir werden mit einer Gedenkminute an Serkan Çalar die Verleihung starten", sagt Wendling. "Ich bin mir sicher: Jeder der Preisträger trägt ihn in sich bei der Verleihung."

Çalar starb, nachdem ihm ein Fahrgast schwere Faustschläge gegen den Kopf zugefügt hatte. Nur zwei Tage nach der Tat im Regionalexpress hinter dem Bahnhof Landstuhl erlag der 36-Jährige seinen lebensgefährlichen Verletzungen. Der alleinerziehende Vater von zwei Kindern war verlobt und plante gerade seine Hochzeit.

Weitere Preisträger aus ganz Deutschland

Die Geschichten der weiteren Preisträgerinnen und Preisträger berühren und basieren auf Meldungen von Reisenden, die sich dankbar an den Kontakt mit den Bahnmitarbeitern erinnern:

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  • Manuel Drechsel, Steffen Richter und Sven Schimmel aus Dresden und Umgebung erhalten den silbernen Preis. Sie kümmerten sich nach einem Krampfanfall um eine Reisende mit posttraumatischer Belastungsstörung. Abgeschirmt nahmen sie sie in den Lokführerstand, damit sie zur Ruhe kommen konnte. Schimmel handelte trotz seiner laufenden Prüfung zum Lokführer - und legte sie letztlich mit Bravour ab.
  • Patricia Bergmann hilft als Mobilitätsservice-Mitarbeiterin und gilt als "die gute Seele am Bahnhof Landshut". Besonders in Erinnerung blieb sie einer 14-Jährigen im Rollstuhl, der sie trotz fehlenden Aufzugs mit großem Einsatz half. Dafür erhält sie die Bronze-Ehrung.
  • Alexander Rezek, Servicemitarbeiter im Reisezentrum am Kölner Hauptbahnhof, erhält einen Sonderpreis. Immer mit einem Lächeln im Gesicht, gewinnt er durch seine freundliche und zugewandte Art regelmäßig Fanpost von Reisenden.

Die Auszeichnung "Eisenbahner mit Herz" zeigt, dass trotz aller Herausforderungen und Gefahren im Zugalltag zahlreiche Bahnmitarbeiter mit außergewöhnlichem Engagement und Menschlichkeit ihren Dienst versehen. In einer Zeit, in der Gewalt gegen Bahnpersonal zunimmt, setzt diese Ehrung ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und des Respekts.