Die Influencer Sebastian Tigges und Marie Nasemann galten vielen als Vorzeigepaar der gleichberechtigten Elternschaft. In den sozialen Medien präsentierten sie eine harmonische Beziehung, in der alle Aufgaben fair verteilt schienen. Doch nun ist die Beziehung gescheitert. In einem SPIEGEL-Gespräch spricht Sebastian Tigges offen über die Herausforderungen und die Schattenseiten der modernen Elternschaft.
Das Ideal der gleichberechtigten Beziehung
Sebastian Tigges, bekannt als „Dadfluencer“, und seine Frau Marie Nasemann, Schauspielerin und Influencerin, teilten regelmäßig Einblicke in ihr Familienleben. Sie zeigten, wie sie die Kinderbetreuung, den Haushalt und die Karriere unter einen Hut brachten. Viele Follower sahen in ihnen ein Vorbild für eine moderne, gleichberechtigte Partnerschaft. Doch hinter den Kulissen sah die Realität anders aus.
Der Druck der öffentlichen Erwartung
Tigges beschreibt, wie der Druck, stets das perfekte Bild abzugeben, die Beziehung belastete. „Wir haben uns so sehr bemüht, den Erwartungen unserer Community gerecht zu werden, dass wir dabei uns selbst verloren haben“, sagt er. Die ständige Selbstoptimierung und die Angst vor Kritik hätten zu einer emotionalen Erschöpfung geführt.
Kommunikation als Fluch und Segen
Das Paar war bekannt für seine offene Kommunikation. Doch auch zu viel Reden könne schädlich sein, so Tigges. „Wir haben jede Kleinigkeit analysiert und diskutiert, bis kein Raum mehr für Spontaneität und Gefühle blieb.“ Die Überkommunikation habe letztlich dazu geführt, dass sie sich immer weiter voneinander entfernten.
Die Schattenseiten der Elternschaft
Elternschaft sei „erbarmungslos“, sagt Tigges. Der ständige Schlafmangel, die Verantwortung und die fehlende Zeit für sich selbst hätten die Beziehung zusätzlich belastet. „Man ist rund um die Uhr gefordert und hat kaum noch Energie für den Partner.“ Er rät anderen Paaren, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und auch mal Unperfektes zuzulassen.
Die Trennung als Befreiung
Trotz des Scheiterns bereut Tigges die öffentliche Darstellung nicht. „Wir haben viele Menschen inspiriert, aber am Ende müssen wir auch auf uns selbst achten.“ Die Trennung sei ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt gewesen, um wieder zu sich selbst zu finden.
Das Gespräch zeigt, dass selbst die vermeintlich perfektesten Beziehungen unter der Oberfläche kämpfen können. Es ist eine Erinnerung daran, dass soziale Medien oft nur eine inszenierte Realität zeigen und dass wahre Gleichberechtigung und ein erfülltes Familienleben weit mehr erfordern als nur schöne Bilder.



