Gedenken in Sachsenhausen: Israelische Botschaft mahnt zu Schutz jüdischen Lebens
Gedenken in Sachsenhausen: Botschaft mahnt zu Schutz jüdischen Lebens

Gedenkzeremonie in Oranienburg: Israelische Botschaft erinnert an Holocaust-Opfer

In der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg hat die Israelische Botschaft in Deutschland der sechs Millionen jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die feierliche Zeremonie fand anlässlich des israelischen nationalen Gedenktages Yom Ha-Schoah statt, der seit 1951 begangen wird. Der israelische Botschafter Ron Prosor entzündete gemeinsam mit anderen Teilnehmern sechs Kerzen, die symbolisch für die ermordeten Juden stehen.

Zwei Minuten Stille und eindringliche Appelle

Wie in Israel üblich, erklang auch in Sachsenhausen zwei Minuten lang eine Sirene, während alle Anwesenden schweigend der Opfer gedachten. Neben der Niederlegung von Kränzen war die 93-jährige Überlebende Ingeborg Geißler eine der zentralen Persönlichkeiten der Veranstaltung. Die Gedenkfeier fand an der sogenannten „Station Z“ statt, dem zentralen Ort des ehemaligen Konzentrationslagers, an dem sich die Vernichtungsanlagen befanden.

Botschafter Prosor nutzte die Gelegenheit für einen eindringlichen Appell: „Antisemitismus ist kein Relikt der Vergangenheit, er ist sichtbar und nimmt zu.“ Er beschrieb, dass Juden heute oft Angst hätten, sich in der Öffentlichkeit als solche zu erkennen zu geben – sei es in U-Bahnen, S-Bahnen oder an Universitäten. Der Schutz jüdischen Lebens müsse entschlossen gewährleistet werden.

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Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter warnt vor „offenem Feuer“

Andreas Büttner, der Beauftragte gegen Antisemitismus in Brandenburg, unterstützte diese Einschätzung mit deutlichen Worten: „Antisemitismus ist kein Schatten der Vergangenheit. Er ist ein offenes Feuer, das unter uns brennt.“ Büttner machte deutlich, dass dieses Feuer von verschiedenen Seiten geschürt werde – von extremen Rechten, extremen Linken und jenen, die ihren Hass auf Israel als moralische Besorgnis tarnten.

Prosor: Europa muss sich dem Iran entgegenstellen

In seiner Rede ging Botschafter Prosor über die nationalen Grenzen hinaus und adressierte die internationale Gemeinschaft. Er betonte, dass der Kampf gegen die Verbreitung des Terrors durch den Iran nicht allein Israels Verantwortung sei. „Die Mullahs sind bereits Teil des Krieges in Europa. Ihre Drohnen fallen in der Ukraine. Ihre Netzwerke operieren über Kontinente hinweg – und ihre tödliche Ideologie verbreitet sich schneller als jede Rakete“, so der Diplomat.

Prosor forderte insbesondere Deutschland und Europa auf, ihrer Pflicht nachzukommen: „Wieder einmal steht Israel an vorderster Front. Aber die freie Welt, insbesondere Deutschland und Europa, haben nicht nur die Verantwortung, sondern die Pflicht, dieser tödlichen Ideologie entgegenzutreten, die Europa von innen bedroht.“ Er verwies darauf, dass es nicht allein Israels Aufgabe sein könne, den Iran am Erlangen einer Atomwaffe zu hindern, die das Land vernichten würde.

Historischer Hintergrund und kommende Gedenkveranstaltung

Das Konzentrationslager Sachsenhausen war zwischen 1936 und 1945 in Betrieb. Nach Angaben der Gedenkstätte waren dort mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende wurden ermordet, starben an Krankheiten oder verhungerten. Die Gedenkstätte erinnert regelmäßig an diese grausame Vergangenheit.

Am 19. April wird in Sachsenhausen der 81. Jahrestag der Befreiung der Gefangenen begangen. Diese Veranstaltung setzt die Tradition des Erinnerns und Mahnens fort, die mit der aktuellen Zeremonie der israelischen Botschaft einen weiteren bedeutenden Höhepunkt fand. Die Gedenkstätte bleibt damit sowohl Ort des Grauens als auch Ort des aktiven Erinnerns für künftige Generationen.

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