Wilhelmshavenerin rettet argentinischem Jungen mit Knochenmarkspende das Leben
Knochenmarkspende aus Wilhelmshaven rettet Jungen in Argentinien

Eine lebensrettende Verbindung über Kontinente hinweg

Ein fröhlich lachender Junge, der mit Torwarthandschuhen auf dem Fußballplatz in Argentinien steht oder mit seiner kleinen Schwester am Strand spielt – diese Bilder wären für Benicio (10) vor vier Jahren undenkbar gewesen. Heute verdankt er sein neues Leben einer Frau aus dem deutschen Wilhelmshaven: Maike Schriemer (62) hat dem Jungen durch eine Knochenmarkspende das Leben gerettet.

Der Kampf gegen den Blutkrebs

Vor vier Jahren präsentierte sich Benicio in einem völlig anderen Zustand: blass, müde, kraftlos und ständig krank. Seine Mutter Daniela erinnert sich deutlich an die schwierige Zeit: „Nach mehreren Untersuchungen erhielten wir die niederschmetternde Diagnose: akute Leukämie. In unserer tiefen Verzweiflung hatten wir zwar Angst, aber wir wussten immer, dass wir es als Familie gemeinsam durchstehen würden.“ Mit gerade einmal sieben Jahren kämpfte Benicio gegen eine seltene und besonders aggressive Form von Blutkrebs.

Vier lange Monate Chemotherapie brachten nicht den erhofften Erfolg. Dann folgte der erschütternde Befund der Ärzte: Nur eine Knochenmarkspende konnte den Jungen noch retten. Die Suche nach einem passenden Spender begann – eine Suche, die sich über Kontinente erstrecken sollte.

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Der Anruf in Wilhelmshaven

12.000 Kilometer entfernt in Wilhelmshaven (Niedersachsen) klingelte im Mai 2022 das Telefon von Maike Schriemer. Die 62-Jährige hatte sich vor vielen Jahren beim Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR) typisieren lassen. „Mir wurde mitgeteilt, dass ich als Spenderin infrage komme und einem blutkrebskranken Menschen das Leben retten könnte“, berichtet Maike.

Die folgenden Wochen verliefen in rasantem Tempo: Tests, Untersuchungen – alle bestätigten, dass Maike tatsächlich geeignet war. Allerdings benötigte ihr genetischer Zwilling in diesem speziellen Fall nicht die übliche Stammzellspende aus dem Blut, sondern Knochenmark aus dem Beckenkamm unter Vollnarkose. Diese Methode wird bei etwa zehn Prozent aller Spender gewählt, besonders häufig bei Kindern mit Blutkrebs. Maike zögerte keinen Moment: „Ich habe sofort zugesagt, dass ich zu einer Knochenmarkspende bereit bin!“

Die Transplantation und ein neues Leben

In Argentinien keimte endlich Hoffnung auf. Daniels erinnert sich: „Die Nachricht, dass der Spender zugesagt hatte, gab uns neue Kraft und Zuversicht.“ Am 25. Mai 2022 trafen Maikes lebensrettende Zellen in Buenos Aires ein, am 14. Juni erfolgte die Transplantation – vollständig anonym, ohne Gewissheit über den Ausgang.

Doch die Spende erwies sich als perfekt: Benicios Körper nahm die gespendeten Stammzellen an. Bereits am 15. Juli durfte er das Krankenhaus verlassen. „Wir feiern seitdem jedes Jahr am 14. Juni seine Wiedergeburt“, erklärt Daniela bewegend.

Erster Kontakt und emotionale Botschaft

Ein Jahr nach der erfolgreichen Transplantation erreichte Maike eine Nachricht, die sie bis heute tief bewegt. Auf Wunsch beider Seiten vermittelte das NKR den ersten Kontakt. Kurz darauf schrieb Benicio über WhatsApp: „Hallo, Maike, ich bin Benicio. Ich wollte Dir sagen: Hoffentlich können wir uns eines Tages treffen. Ich bin so dankbar für das, was du für mich getan hast. Ich sage dir, dass ich dich lieb habe. Ich schicke dir einen großen Kuss.“

Maike, die in einem Krankenhaus als Sekretärin arbeitet, und Benicio nutzen seither Online-Übersetzer, um miteinander zu kommunizieren. Aus dem anfänglichen Kontakt entwickelte sich eine regelmäßige Verbindung: Fast jede Woche tauschen sich Daniela, Benicio und Maike aus, teilen Fotos und berichten aus ihrem Alltag – wie eine echte Familie.

Eine besondere Familienbindung

Maike, die selbst einen 35-jährigen Sohn hat, beschreibt ihre Gefühle: „Benicio fühlt sich für mich inzwischen fast wie mein zweiter Sohn an.“ Diese tiefe emotionale Verbindung hat konkrete Pläne zur Folge: Im Herbst wird Maike nach Buenos Aires fliegen, um Benicio endlich persönlich in die Arme schließen zu können.

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Die beiden Familien, die durch eine lebensrettende medizinische Maßnahme verbunden wurden, haben eine außergewöhnliche Beziehung entwickelt. Maike Schriemer fasst es treffend zusammen: „Wir sind neugierig darauf, wie es bei dem jeweils anderen aussieht und freuen uns über jede Nachricht.“ Eine Geschichte, die zeigt, wie Menschlichkeit und Solidarität selbst über 12.000 Kilometer hinweg Leben retten und neue Familienbande knüpfen können.