Pascal (38) kämpft um Behindertenparkplatz: Mit einem Bein nicht behindert genug fürs Amt
Pascal (38) kämpft um Behindertenparkplatz: Beinamputation reicht nicht

Pascals Kampf um Anerkennung: Ein Bein fehlt, doch fürs Amt nicht behindert genug

Pascal Plikat (38) aus Bremen misst sein Leben seit einem folgenschweren Unfall im Jahr 2016 in Metern und Schmerzen. Damals verlor der heute 38-Jährige sein rechtes Bein, das bis zur Mitte des Oberschenkels amputiert werden musste. Trotz dieser schwerwiegenden Einschränkung und eines offiziellen Behinderungsgrades von 80 Prozent wird ihm ein Behindertenparkplatz verwehrt. Die Begründung der Behörden: Mit seiner vier Kilogramm schweren Prothese und zusätzlichen Krücken sei er mobil genug.

Bürokratische Hürden statt praktischer Hilfe

In seinem Schwerbehindertenausweis trägt Pascal zwar das Merkzeichen G für "gehbehindert", doch das entscheidende Kürzel "aG" für "außergewöhnliche Gehbehinderung" fehlt. Damit hat der Verwaltungsfachangestellte keinen rechtlichen Anspruch auf den begehrten Parkausweis. Stattdessen bietet ihm das Amt lediglich die Wahl zwischen einer Kfz-Steuerermäßigung um 50 Prozent oder einem kostenlosen Nahverkehrsticket. "Das genügt nicht", bringt Pascal seine Frustration auf den Punkt.

Bereits 2017, nur ein Jahr nach dem Unfall, zog er vor Gericht – und verlor. Die Richter bestätigten die Auffassung der Behörden, dass er mit Prothese und Krücken ausreichend mobil sei. "Hätte ich noch einen Arm oder ein weiteres Bein verloren, wäre ich wohl dabei", kommentiert Pascal diese Entscheidung mit bitterem Sarkasmus.

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Alltag als permanenter Kraftakt

Der Vater einer dreijährigen Tochter beschreibt seinen Alltag als permanenten Kampf. Der Stumpf entzündet sich regelmäßig, schmerzt und drückt. An manchen Tagen, manchmal sogar wochenlang, kann er seine Prothese überhaupt nicht tragen. Routineaufgaben wie Einkäufe, der Weg zur Kita oder zum Spielplatz werden zu strategischen Herausforderungen, bei denen jeder Meter vom Parkplatz zum Ziel zählt.

"Es passierte nach einer fröhlichen Feier", erinnert sich Pascal an den Abend, der sein Leben für immer veränderte. Als der damals 27-Jährige im Krankenhaus aufwachte, war sein rechtes Bein weg. Über die genauen Umstände möchte er nicht weiter sprechen.

60.000 Amputationen jährlich – viele Betroffene ohne Parkrecht

Pascals Schicksal steht exemplarisch für Tausende Menschen in Deutschland, denen trotz gravierender körperlicher Einschränkungen das Recht auf einen Behindertenparkplatz verwehrt bleibt. "Das ist nicht nur absurd, es ignoriert die Realität von Tausenden Menschen", kritisiert er. Tatsächlich werden in Deutschland jedes Jahr bis zu 60.000 Amputationen an den unteren Extremitäten durchgeführt.

Auch Bremens Landesbehindertenbeauftragter Arne Frankenstein sieht dringenden Reformbedarf. Die aktuellen Hürden für das Merkzeichen "aG" seien zu hoch und gingen "teilweise am Bedarf vorbei". Menschen, die ihre Prothese zeitweise nicht nutzen können oder im Alter schlechter laufen, fallen durch das bürokratische Raster.

Petition und politische Initiativen

Frankenstein fordert für Bremen die Einführung eines gelben Parkausweises, wie ihn andere Bundesländer bereits nutzen. Dieser würde immerhin das Parken im eingeschränkten Halteverbot bis zu drei Stunden ermöglichen.

Parallel dazu hat Pascal selbst eine Petition gestartet, die bereits über 50.000 Unterschriften gesammelt hat. Seine zentrale Forderung: "Wer aufgrund einer Amputation nicht weit gehen kann, sollte nah am Ziel parken dürfen. Parkrechte sind kein Privileg, sie sind ein Ausgleich für echte Einschränkungen."

Der Fall zeigt deutlich, wie bürokratische Definitionen und lebenspraktische Bedürfnisse oft weit auseinanderklaffen. Während das Amt auf Formulare und Merkzeichen schaut, zählt für Pascal jeder schmerzhafte Meter, den er zusätzlich gehen muss.

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