Bundespräsident Steinmeier mahnt: Das Leid der DDR-Heimkinder darf niemals vergessen werden
Steinmeier: DDR-Heimkinder nicht vergessen - Besuch in Torgau

Bundespräsident Steinmeier mahnt: Das Leid der DDR-Heimkinder darf niemals vergessen werden

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat eindringlich davor gewarnt, das Schicksal ehemaliger DDR-Heimkinder in Vergessenheit geraten zu lassen. Bei einem bewegenden Besuch der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof in Torgau traf er Überlebende und bezeichnete die Einrichtung als Ort des Schreckens. Die jungen Menschen, die hier interniert waren, seien ihrer Jugend und ihrer menschlichen Würde beraubt worden, betonte Steinmeier nachdrücklich.

Hinter Mauern und Wachtürmen: Umerziehung zur sozialistischen Persönlichkeit

Die Gedenkstätte in Torgau erinnert seit dem Jahr 1998 an die haftähnlichen Zustände, unter denen Jugendliche in der DDR zu angepassten sozialistischen Persönlichkeiten umerzogen werden sollten. Der Geschlossene Jugendwerkhof glich mit seinen drei Meter hohen Mauern, den Wachtürmen, Diensthunden und vergitterten Fenstern äußerlich einem Gefängnis. Von 1964 bis 1989 wurden laut Angaben der Einrichtung insgesamt 4.046 Jugendliche in diese Anstalt eingewiesen.

Offiziell handelte es sich dabei um die einzige geschlossene Heimeinrichtung der DDR. In einem größeren historischen Kontext durchliefen zwischen 1949 und 1989 etwa 135.000 Kinder und Jugendliche verschiedene Umerziehungseinrichtungen im SED-Staat. Viele dieser Einrichtungen wirkten wie Gefängnisse und hinterließen tiefe seelische Wunden bei den Betroffenen.

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Zeitzeugen berichten von Zwang, Gewalt und Demütigung

Nach einem Rundgang durch die Ausstellung Ich bin als Mensch geboren und will als Mensch hier raus! sprach Bundespräsident Steinmeier intensiv mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Er könne nur erahnen, wie schwer es für die Überlebenden sein müsse, an diesen Ort der Qual zurückzukehren, an dem Zwang, Gewalt, Demütigung und Entwürdigung den Alltag bestimmten.

Jugendliche müssen wissen, zu welcher Brutalität die SED in der Lage war und es verbietet sich jegliche Verharmlosung, richtete Steinmeier seinen Dank an die Betroffenen. Einige dieser Zeitzeugen teilen heute bei Führungen, insbesondere mit Schulklassen, ihre schmerzhaften Erinnerungen. Auf diese Weise werde die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aktiv verteidigt und lebendig gehalten.

Hürden bei der Rehabilitierung und aktuelle Lebenssituation

Die Betroffenen berichteten dem Bundespräsidenten von zahlreichen juristischen Hürden, die sie bei der Anerkennung als SED-Opfer überwinden müssen. Steinmeier äußerte die Hoffnung, dass die Verfahren zur Rehabilitierung der ehemaligen Heimkinder vereinfacht werden. Die meisten der Überlebenden hatten aufgrund der Unterbringung in den Heimen nur eine geringe Schulbildung erhalten und leben bis heute oft am Existenzminimum.

Die Idee für den Besuch Steinmeiers entstand bereits vor fast sieben Jahren, als Vertreter des Trägervereins der Gedenkstätte im Schloss Bellevue vorstellig wurden und auf die prekäre Situation der ehemaligen DDR-Heimkinder aufmerksam machten. Damals bekundete der Bundespräsident bereits sein Interesse an einem Besuch der historischen Stätte in Torgau.

Steinmeier betonte abschließend, dass diese Kinder und Jugendlichen zu den verwundbarsten Opfern des SED-Regimes gehörten. Über ihr tiefes Leid sei in der Öffentlichkeit immer noch viel zu wenig bekannt. Die Erinnerung an ihr Schicksal müsse wachgehalten werden, um künftige Generationen vor ähnlichen Unrechtssystemen zu bewahren.

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