Bundespräsident Steinmeier trifft DDR-Heimkinder in Torgau: Ein Gespräch über anhaltendes Leid
Steinmeier trifft DDR-Heimkinder in Torgau

Bundespräsident Steinmeier im Dialog mit ehemaligen DDR-Heimkindern in Torgau

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Gedenkstätte des sogenannten Geschlossenen Jugendwerkhofs in Torgau besucht, um sich persönlich über das Schicksal ehemaliger DDR-Heimkinder zu informieren. Bei einem Rundgang durch die Dauerausstellung und in anschließenden Gesprächen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen stand das fortwirkende Leid der Betroffenen im Mittelpunkt.

Die Gedenkstätte als Mahnmal repressiver Erziehung

Die Begegnungsstätte in Torgau erinnert seit dem Jahr 1998 an die haftähnlichen Zustände, unter denen Jugendliche in der DDR zu sozialistischen Persönlichkeiten umerzogen werden sollten. Der Geschlossene Jugendwerkhof glich äußerlich einem Gefängnis, mit hohen Mauern, Wachtürmen, Diensthunden und vergitterten Fenstern. Von 1964 bis 1989 wurden laut Angaben der Gedenkstätte insgesamt 4.046 Jugendliche in diese Einrichtung eingewiesen, die offiziell als einzige geschlossene Heimeinrichtung der DDR galt.

Fortwirkende Folgen und gesellschaftliche Relevanz

Manuela Rummel, Leiterin der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Gedenkstätte, betonte: Die Geschichte der repressiven Heimerziehung wirkt bis heute fort. Viele Betroffene leben nach wie vor in einer äußerst prekären Situation. Gesellschaftspolitisch sei die Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel unumgänglich, da autoritäres Denken, Strafe, Zwang und Kontrolle im Namen der Jugendhilfe wieder an Bedeutung gewinnen.

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Würdigung des Engagements der Betroffenen

Gabriele Beyler, Vorstandsmitglied des Trägervereins, hob hervor, dass das Gespräch mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen eine besondere Würdigung ihres jahrzehntelangen Engagements darstellt. Dies ist zugleich ein Zeichen für all jene, die an diesem Tag nicht selbst oder nicht mehr mit am Tisch sitzen können, so Beyler. Die Idee für den Besuch Steinmeiers entstand vor fast sieben Jahren, als Vertreter des Trägervereins im Schloss Bellevue auf die Situation der ehemaligen DDR-Heimkinder aufmerksam machten und der Bundespräsident daraufhin sein Interesse an einem Besuch bekundete.

Der Besuch unterstreicht die anhaltende Bedeutung der Aufarbeitung dieses Teils der deutschen Geschichte und die Notwendigkeit, den Betroffenen Gehör zu schenken.

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