Streit um marode Badestege im Paradies von Possenhofen
Im idyllischen Erholungsgebiet Paradies am Starnberger See eskalieren die Konflikte um die Zukunft der Badestege. Während die Stadt München den Abriss der maroden Holzstege plant, formiert sich breiter Widerstand. Mehr als 1400 Menschen haben innerhalb von drei Tagen eine Petition unterschrieben, die den Erhalt der Stege fordert. Die Zahl der Unterstützer steigt stündlich.
Protest am Strandkiosk Steg 1
Der Strandkiosk Steg 1, ein beliebtes Ausflugsziel unterhalb des Sisi-Schlosses, ist zum Zentrum des Protests geworden. An den Holzbänken und Liegestühlen hängen nun Schilder mit der Aufschrift: „Die Badestege im Paradies müssen erhalten bleiben!“ Felix Schmitz, Co-Betriebsleiter des Kiosks, zeigt sich empört: „Was da läuft, kann man einfach nicht hinnehmen. Unsere Stege sind Aussichtsplattformen für die Ausflügler. Ohne sie geht der ganze Flair am Seestrand und am Kiosk kaputt.“
Stadt München will alle Stege abreißen
Das Baureferat der Stadt München, dem das Erholungsgelände gehört, hat die Stege 1, 2 und 3 kurz vor Saisonbeginn mit Bauzäunen abgesperrt. Ein Gutachten habe ergeben, dass die Stege marode und nicht mehr reparabel seien. Sie sollen in den nächsten Tagen abgerissen werden. Steg 4 weiter südlich ist bereits demontiert, nur noch die Pfosten ragen aus dem Wasser. Die Stadt plant einen Ersatz, sobald die Haushaltslage es erlaubt.
Vorwurf der Vernachlässigung
Vor Ort stößt die Entscheidung auf Unverständnis. Burkhardt Schütz, Vorsitzender des Kneippvereins Starnberg, wirft der Stadt fahrlässige Vernachlässigung vor. „Wir haben die Stadt schon vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass die rechten Treppenstufen am Steg ausgetauscht werden müssen“, sagt er. Vor zwei Wochen sei die Treppe endlich repariert worden. „Sie machen die Treppe neu und wenige Tage später sperren sie den ganzen Steg, weil er angeblich lebensgefährlich ist? Das macht doch gar keinen Sinn.“
Protest-Mail an Oberbürgermeister Dominik Krause
Die „Freunde zur Erhaltung der Stege im Paradies“ haben dem neuen Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) am Sonntag eine E-Mail mit Fotos der Unterschriftenlisten geschickt. Schütz fordert: „Die Öffentlichkeit sollte ein Anrecht haben, dass so schöne Plätze unangetastet bleiben.“ Die Aktivisten verlangen, dass der Stadtrat über die Pläne informiert wird und den Abriss stoppt.
Holzbaufirma bietet kostenlose Hilfe an
Eine überraschende Wendung kommt von der Münchner Firma Lynberg Modular Systems, einem Start-up für Holzmodulbauweise. Das Unternehmen, dessen Eigentümerfamilie am See lebt, bietet an, die Stege auf eigene Kosten zu retten. „In heutiger Zeit darf man den Menschen so einen malerischen Lebensraum nicht wegnehmen“, sagt ein Eigentümer. Die Firma hat dem Baureferat schriftlich angeboten, „kurzfristig eine technische Prüfung möglicher Reparatur- oder Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen und uns hierbei auch kostenfrei einzubringen.“ Geschäftsführer Theodor Kaczmarczyk präzisiert: „Wir würden zunächst einen Statiker und einen Konstrukteur prüfen lassen, was tatsächlich kaputt ist. Und dann würden wir auf unsere Kosten die Reparaturen übernehmen.“
Offene Fragen
Ob die Stadt München das Angebot annimmt, ist unklar. Eine Anfrage der AZ an das Baureferat blieb bis Montagabend unbeantwortet. Die Proteste und die Petition laufen weiter, während die Bürger darauf hoffen, dass die Stege im Paradies doch noch erhalten bleiben.



