Boizenburgs Bahnhofsquartier: Ambitioniertes Bauprojekt mit Verzögerungen
Im Frühjahr 2025 startete in Boizenburg ein ambitioniertes Wohnungsbauprojekt, das ein komplett neues Quartier am Bahnhof entstehen lassen sollte. Mit einer spektakulären Abrissaktion, bei der sogar Landwirtschaftsminister Till Backhaus den Abrissbagger in seinem Wahlkreis bediente, begann die Transformation des Areals. Doch mehr als ein Jahr später sind außer großen Schutthalden noch kaum Fortschritte sichtbar.
Vom Problemgrundstück zum zukunftsweisenden Quartier
Das Bauvorhaben sollte eigentlich ein doppelter Glücksfall für Boizenburg werden. Zum einen sollten 29 barrierefreie Wohnungen entstehen, wie Architekt und Investor Marcel Rafi Bakhsh bei Projektbeginn verriet. Zum anderen befreite die Stadt sich von einer langjährigen Bauruine in der Rudolf-Tarnow-Straße, die sich durch wachsenden Leerstand ausgezeichnet hatte.
Das Areal hatte eine bewegte Vergangenheit: Vor mehr als zehn Jahren war das alte Jugendfreizeithaus in Flammen aufgegangen, ein weiteres Gebäude auf dem Gelände war ebenfalls Opfer eines Brandes geworden. Beide Gebäude standen seitdem leer, bevor sie dem neuen Quartier weichen mussten.
Bürokratische Hürden bremsen den Fortschritt
Die ursprünglich für dieses Jahr prognostizierte Fertigstellung des Quartiers scheint nun in weite Ferne gerückt zu sein. Wo eigentlich moderner Wohnraum entstehen sollte, türmen sich weiterhin Schuttberge. Die entscheidende Frage lautet: Warum geht am Bahnhof nichts voran?
Bereits zu Projektbeginn gab es eine wesentliche Planungsänderung. Eine detaillierte Analyse des Wohnungsbedarfs in Boizenburg ergab für Investor Bakhsh, dass die Einkommen in der Stadt zu hoch für einen geförderten Sozialbau seien. Stattdessen konzentriert er sich nun auf den Bau barrierefreier Wohnungen, die dennoch bezahlbar bleiben sollen.
Stadtverwaltung bleibt optimistisch
Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung wird deutlich, dass bürokratische Hürden die Realisierung des Quartiers im Zeitplan nach hinten geworfen haben. "Es hätte tatsächlich schneller gehen sollen", heißt es aus offiziellen Kreisen. Die Befürchtung, dass nach dem Abriss nichts mehr passieren könnte, wird jedoch entschieden zerstreut.
Die Stadtverwaltung betont, dass man weiterhin intensiv an der Realisierung des Quartiers am Bahnhof arbeite. Trotz der Verzögerungen strebe man weiterhin eine mögliche Fertigstellung noch in diesem Jahr an. Die Vision eines modernen, barrierefreien Wohnquartiers am Boizenburger Bahnhof bleibt damit lebendig, auch wenn sich die Umsetzung verzögert.
Für die Anwohner und die Stadtentwicklung bedeutet dies eine Geduldsprobe. Das Projekt, das zunächst mit großem Enthusiasmus gestartet wurde, muss nun zeigen, dass es trotz bürokratischer Herausforderungen realisiert werden kann. Die Schutthalden am Bahnhof werden damit vorerst weiter das Stadtbild prägen, während im Hintergrund die Planungen für das zukunftsweisende Wohnquartier weiterlaufen.



