Bundesförderprogramm: Aus leeren Büros werden neue Wohnungen
Die Bundesregierung startet ein ambitioniertes Förderprogramm, um leerstehende Büro- und Gewerbegebäude in dringend benötigten Wohnraum umzuwandeln. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) hat das Programm „Gewerbe zu Wohnen“ mit einem Volumen von 300 Millionen Euro für das Jahr 2026 angekündigt, das ab Juli starten soll.
Attraktive Förderbedingungen für Investoren
Investoren können für jede neu geschaffene Wohnung bis zu 30.000 Euro Zuschuss erhalten, wobei die maximale Fördersumme pro Unternehmen bei 300.000 Euro liegt. Das Besondere: Die Fördermittel müssen nicht zurückgezahlt werden. „In vielen Städten stehen Gebäude leer, während gleichzeitig Wohnungen fehlen“, erklärte Hubertz. „Dieser Widerspruch beschäftigt mich. Und genau hier wollen wir ansetzen.“
Das Programm verfolgt drei zentrale Ziele: die Bekämpfung des Leerstands, die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum und die klimagerechte Sanierung bestehender Gebäude. Jedes umgebaute Gebäude spare wertvolle Ressourcen und trage zur Nachhaltigkeit bei, betonte die SPD-Politikerin.
Enormes Potenzial mit praktischen Hürden
Experten schätzen, dass in leerstehenden Bürogebäuden deutscher Metropolen tausende neue Wohnungen entstehen könnten. Nach Berechnungen des Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (JLL) bieten allein ungenutzte Büroflächen das Potenzial für rund 11.000 Wohnungen in den sieben größten deutschen Städten. Das Ifo-Institut ging 2024 sogar von bis zu 60.000 möglichen Wohnungen in diesen Großstädten aus – allerdings nur unter theoretisch idealen Bedingungen.
In der Praxis stehen dem Umbau jedoch zahlreiche Hürden entgegen. Das Ifo-Institut wies darauf hin, dass sich der Umbau in vielen Fällen wirtschaftlich nicht rechnet, da die ursprünglich für ganz andere Zwecke konzipierten Flächen oft sehr aufwendig und teuer umgebaut werden müssen. Hinzu kommen die stark gestiegenen Baukosten der vergangenen Jahre sowie die Frage der Standortattraktivität: Bürogebäude liegen nicht immer in Wohngegenden mit guter Anbindung an Schulen, Nahverkehr, Kindergärten, Geschäfte oder Parks.
Energetische Standards und Ausnahmen
Gefördert werden soll ausschließlich der Umbau von nicht zu Wohnzwecken genutzten, beheizten Gebäuden. Die Sanierung muss mindestens das energetische Niveau „Effizienzhaus 85 Erneuerbare Energien“ erreichen, was hohe Standards in Sachen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit garantiert. Ausnahmen von diesen energetischen Anforderungen sind lediglich für Baudenkmale vorgesehen.
Hubertz zeigte sich überzeugt von der Wirksamkeit des Programms: „Die Förderung ist für Investoren höchst attraktiv und gleichzeitig ein kraftvoller Impuls, um Projekte zu starten, die unsere Städte nachhaltig verändern.“ Mit dem Programm reagiert die Bundesregierung auf die doppelte Herausforderung vieler Innenstädte: Während einerseits Büros, Kaufhäuser und Läden leerstehen, herrscht gleichzeitig akuter Wohnungsmangel.



