City Cube in Rostock: Innovativer Veranstaltungsort mit kontroversen Auswirkungen
Ab dem Sommer 2026 wird die Rostocker Innenstadt um eine architektonische und funktionale Neuheit bereichert: Der sogenannte City Cube soll an der Nordkante des Neuen Marktes entstehen und als hochwertiger Modulbau flexible Räume für vielfältige Aktivitäten bieten. Johannes Wolff, Leiter des Smart City-Projektteams, betont, dass der Cube Veranstaltungen, Ausstellungen, Workshops, Dialogformate und gemeinwohlorientierte Angebote ermöglichen wird. Nach der Beschlussfassung durch den Hauptausschuss am 24. Februar kann nun das Vergabeverfahren für die Errichtung offiziell starten, wobei die Baugenehmigung für Anfang März erwartet wird.
Funktionen und technische Ausstattung des City Cubes
Der City Cube zielt darauf ab, die Aufenthaltsqualität auf dem Neuen Markt zu stärken und zur Belebung von Handel und Gastronomie beizutragen. Als niedrigschwelliger, öffentlich zugänglicher Raum soll er Austausch, Bildung, Kultur, Sport, Handel und Innovation fördern. Besondere Merkmale umfassen:
- Eine teilbegrünte Fassade, die Regenwasser auffängt und in einer integrierten Zisterne speichert.
- Eine smarte Gebäudetechnik, die Personalkosten minimiert und den Betrieb autark steuert.
- Moderne Sitzmöglichkeiten, Abstellanlagen und eine Service-Station für Fahrräder im Umfeld.
- Zwei Unisex-WCs sowie ein barrierefreies WC, die auch außerhalb von Veranstaltungen kostenfrei genutzt werden können.
Diese Elemente sollen den Cube zu einem nachhaltigen und nutzerfreundlichen Ort machen, der in die Smart-City-Strategie Rostocks eingebettet ist.
Kritik vom Großmarkt Rostock GmbH
Trotz der innovativen Ansätze gibt es deutliche Kritik von der Großmarkt Rostock GmbH, die unter anderem den Rostocker Weihnachts- und Ostermarkt organisiert. Inga Knospe, Chefin des Großmarkts, äußert Bedenken hinsichtlich der Veranstaltungsfläche. Sie betont, dass der Verlust von Flächen durch den City Cube erhebliche Nachteile mit sich bringt, die nicht durch neue Möglichkeiten aufgewogen werden können. Besonders für den Weihnachtsmarkt seien die Einschränkungen enorm und mit finanziellen Einbußen von etwa 30.000 bis 50.000 Euro verbunden.
Knospe weist darauf hin, dass bereits 2024 der Weihnachtsmarkt aufgrund des Wegfalls der Fläche an der Fischerbastion zugunsten des neuen Volkstheaters verkleinert werden musste. Durch die Platzierung des City Cubes auf der Nordkante des Neuen Marktes rechnet sie erneut mit einer Reduzierung der Marktfläche, wobei die genaue Anzahl der betroffenen Stände noch unklar ist. Besonders kritisch sei der mögliche Wegfall der Märchenschlossbühne, ein traditioneller Teil des Marktes seit 1983, auf der Falk und Karin Petersen als Weihnachtsmann und Märchentante auftreten.
Als mögliche Lösung schlägt Knospe vor, den City Cube für das Kulturprogramm zu nutzen, doch dies müsse in weiteren Gesprächen geklärt werden. Sie betont, dass erst ein vollständiges Nutzungskonzept vorliegen müsse, um Synergien und Mehrwerte für Wochenmärkte und Veranstaltungen besser einschätzen zu können.
Pilotphase und zukünftige Perspektiven
Der City Cube wird im Rahmen einer zwölfmonatigen Pilotphase getestet, in der verschiedene Nutzungsszenarien erprobt und die Effekte auf den Neuen Markt und die Innenstadt bewertet werden sollen. Ziel ist es, den Cube möglichst vielen Akteuren zur Verfügung zu stellen und einen nachhaltigen, kostendeckenden Betrieb sicherzustellen. Mit einer perspektivischen Bebauung der Nordkante des Neuen Marktes könnte der Cube in Zukunft auch den Standort wechseln.
Das Vorhaben ist Teil der Rostocker Smart-City-Strategie und der Maßnahme Zukunft:Quartier, gefördert durch das Bundesprogramm „Modellprojekte Smart Cities“. Die geschätzten Kosten für den Modulbau belaufen sich auf 500.000 Euro, wobei die Stadt Rostock einen Eigenanteil von 35 Prozent trägt. Die Erschließungsarbeiten sollen im Frühjahr beginnen, der Aufbau des Cubes ab Juli erfolgen.
Insgesamt stellt der City Cube ein ambitioniertes Projekt dar, das die Innenstadt Rostocks modernisieren und beleben soll, jedoch auch Herausforderungen für etablierte Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt mit sich bringt. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Balance zwischen Innovation und Tradition gestalten lässt.



