Gutachten zur Eisbachwelle: Holzrampe als mögliche Rettung für Münchner Kultstätte
Ein Jahr nach dem tragischen Unfall und nach 180 Tagen ohne Surfen liegt nun ein umfassendes Gutachten zur Rettung der legendären Eisbachwelle vor. Der Bericht des Strömungsexperten Robert Meier-Staude von der Hochschule München schlägt als beste Lösung den Einbau einer dreiteiligen Holzrampe vor, die die ikonische Flusswelle wiederherstellen könnte. Das 97-seitige Dokument wurde dieser Woche der Münchner Stadtverwaltung übergeben.
Tödlicher Unfall verändert rechtliche Situation
Am 16. April 2025 jährt sich der tragische Vorfall, bei dem eine 33-jährige erfahrene Surferin nach einem Sturz in der reißenden Strömung ums Leben kam. Die Sicherungsleine hatte sich an einem unbekannten Gegenstand im Bachbett verhakt, die Bergung durch die Feuerwehr kam zu spät. Seit diesem Ereignis hat sich die rechtliche Situation an der Welle grundlegend verändert.
„Der Tod der Surferin vor einem Jahr hat uns alle erschüttert“, erklärt Bürgermeister Dominik Krause von den Grünen. „Wir sind als Stadt München rechtlich verpflichtet, die unter den gegebenen Umständen gebotene Verkehrssicherheit an der Welle herzustellen.“
180 Tage ohne Surfwelle
Seit Oktober letzten Jahres ist das Surfen am Eisbach komplett untersagt. Bei der Bachauskehr hatten Arbeiter das Flussbett an der Eisbachbrücke so gründlich gereinigt, dass sich seither keine natürliche Welle mehr aufbaut. Früher hatten Surfer in solchen Fällen eigenständig Holzrampen installiert – stillschweigend geduldet von der Stadt. Nach dem tödlichen Unfall ist dieser eigenmächtige Einbau nun strikt verboten.
Die Eisbachwelle gilt als Münchner Wahrzeichen, und die Surfcommunity zählt bereits 180 Tage ohne ihre Kultstätte. Mehrfach haben einzelne Surfer das Verbot übertreten und provisorische Rampen installiert, um zu demonstrieren, wie einfach die Wiederherstellung möglich wäre. Die Stadt duldete diese Aktionen jedoch nie lange.
Technische Lösung mit Hürden
Laut dem nun vorliegenden Gutachten würde die beste Variante aus drei Hartholzbrettern bestehen. Das etwa sechs Meter lange Mittelbrett ließe sich über Hochleistungsseile am Mittelpfeiler der Brücke befestigen, die beiden kleineren Bretter seitlich an den betonierten Bachseiten-Trogwänden.
„Es dauert zwei Tage, dann ist das drin“, erklärt Surf-Club-Präsident Martin Grün zur Umsetzung. „Eine Seilbefestigung am Brückenmittelpfeiler hat es genau so früher schon gegeben. Dort war ein Edelstahl-Schwerlastdübel in den Granit gespreizt, mit daraufgeschraubter Lasche als Seilbefestigung. Das reicht aus, um bis zu 2000 Kilo Gewicht zu tragen.“
Streitpunkte Statik und Haftung
Doch trotz der technischen Machbarkeit bremsen mehrere Streitpunkte die Pläne aus. Die zentrale Frage betrifft den statischen Nachweis für die Aufhängung an der Brücke. Obwohl in einer Sitzung mit Oberbürgermeister Dieter Reiter vereinbart wurde, dass das Baureferat diesen Nachweis erbringen sollte, ist dies nach Wochen noch nicht geschehen.
Zudem bleibt ungeklärt, wer letztendlich die Haftung für mögliche Unfälle übernehmen würde. Die Stadt verfolgt parallel eine Rückfalloption und arbeitet mit der Bundeswehruniversität Hamburg sowie der Universität Innsbruck an alternativen Lösungen für einen sicheren Einbau.
Gedenken und Anonymität
Ein öffentliches Gedenken an der Welle zum Jahrestag des Unfalls wird es nicht geben. „Wir respektieren weiterhin ausdrücklich den Wunsch der Familie nach Anonymität und Ruhe“, betont Surf-Club-Präsident Grün. Die Surfcommunity steht weiterhin unter dem Eindruck des tragischen Ereignisses, während gleichzeitig der Wunsch nach einer sicheren Wiederbelebung der Kultwelle wächst.
Bürgermeister Krause zeigt sich optimistisch: „Ich unterstütze deshalb alle Versuche, damit ein so sicheres Surfen wie möglich am Eisbach stattfinden kann und hoffe, dass wir bis zu den Sommerferien eine Lösung finden.“ Ob die dreiteilige Holzrampe tatsächlich realisiert werden kann, hängt nun von der Klärung der offenen rechtlichen und technischen Fragen ab.



