Gestaltungssatzung für Anklamer Hanseviertel zurückgezogen: Bauprojekte in der Schwebe
Die neue Gestaltungssatzung für das Anklamer Hanseviertel hat bereits vor ihrer offiziellen Beratung für erhebliche Unsicherheit bei geplanten Bauvorhaben gesorgt. Die Stadtverwaltung zog die umstrittene Vorlage nun kurzfristig zurück, um sie nach Gesprächen mit den großen Vermietern zu überarbeiten.
Verwaltung reagiert auf Kritik der Wohnungsgenossenschaft
Eigentlich sollte die Gestaltungssatzung für das ehemalige Südstadtgebiet bereits im Bauausschuss beraten werden. Doch zu Beginn der Sitzung nahm die Verwaltung das Thema wieder von der Tagesordnung. Bauamtschefin Susan Bienert begründete diesen Schritt knapp: Die Vorlage solle überarbeitet werden und nach Gesprächen mit den beiden großen Vermietern – der Anklamer Wohnungsgenossenschaft (AWG) und der städtischen Grundstücks- und Wohnungswirtschaft (GWA) – in der nächsten Stadtvertretersitzung wieder vorgelegt werden.
Der Vorstandsvorsitzende der AWG, Falko Jonas, begrüßte diese Entscheidung ausdrücklich. „Bislang wurden wir als große Vermieter nicht mit einbezogen“, erklärte er. Dieser Ausschluss habe dazu geführt, dass der Satzungsentwurf in seiner bisherigen Form das Potenzial gehabt hätte, geplante Bauvorhaben im Stadtgebiet zu verhindern.
Enge Vorgaben bedrohen konkrete Baupläne
Jonas kritisierte insbesondere den engen Rahmen und die detaillierten Forderungen der Satzung, die nur noch begrenzte Veränderungen an den Gebäuden zulassen würden. Als konkretes Beispiel nannte er die Vorgabe, dass ausnahmslos Flachdächer zu errichten und zu erhalten seien. Diese Regelung steht im direkten Widerspruch zu den Planungen der AWG im Hamburger Ring, die bereits in diesem Jahr als Bauvorhaben starten sollten.
Durch die zeitliche Überschneidung einer möglichen Satzungsverabschiedung und der Baugenehmigung sieht Jonas nun erhebliche Ungewissheit für sein Bauvorhaben. „Im Zweifel könnte unser Projekt dadurch ausgebremst werden“, warnte der AWG-Chef.
Statische Herausforderungen und Kostensteigerungen
Weitere Probleme ortet Jonas bei der Vorgabe, dass Dächer ausschließlich mit Photovoltaik-Anlagen oder Gründächern belegt werden müssen. „Das stellt eine statische Herausforderung auf dem alten Gebäudebestand dar“, erklärte er. Wenn überhaupt realisierbar, ließe sich dies nur mit deutlich höheren Baukosten umsetzen.
Diese Kostensteigerungen würden sich letztlich auf die Mieten niederschlagen – ein besonders sensibles Thema im Hanseviertel, das traditionell für sozialverträgliche Wohnungen steht. „Erhöht man die Anforderungen an Baumaßnahmen derart, wirkt sich das natürlich auch auf die Kosten aus“, betonte Jonas die wirtschaftlichen Zusammenhänge.
Detailregelungen hinterfragt
Der AWG-Vorstandsvorsitzende kritisierte zudem zahlreiche Detailvorgaben der Satzung:
- Die exakte Körnung des Fassadenputzes
- Ausgewiesene Gebäudegiebel, an denen Begrünung vorgeschrieben ist
- Die Gestaltung der Vorgärten zu 50 Prozent mit bienenfreundlicher Bepflanzung
Diese detaillierten Vorschriften würden den Spielraum für praktikable Lösungen unnötig einschränken und die Baukosten weiter in die Höhe treiben.
Chance für gemeinsame Lösung
Jonas begrüßte ausdrücklich, dass die Stadt nun einen Gesprächstermin mit AWG und GWA anberaumt hat. „So haben wir die Chance, noch gemeinsam eine Lösung zu finden“, äußerte er sich hoffnungsvoll. Der Rückzug der Satzungsvorlage biete die Möglichkeit, die Interessen von Stadtplanung, Denkmalschutz und Wohnungswirtschaft besser in Einklang zu bringen.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es gelingt, eine Gestaltungssatzung zu entwickeln, die sowohl städtebauliche Qualität sichert als auch praktikable Rahmenbedingungen für dringend benötigte Wohnungsbauprojekte schafft.



