Güstrower Innenstadt verliert weitere Einzelhandelsgeschäfte
Die Güstrower Innenstadt steht vor weiteren Verlusten im Einzelhandel. Nachdem bereits der Ratskeller und die Parfümerie Bernhardi geschlossen haben und das Modehaus Wiedewald zum 1. Mai schließt, folgen nun zwei weitere bekannte Läden. Die Situation wird durch die monatelange Sanierung des Marktplatzes verschärft, die vielen Geschäften erheblich zugesetzt hat.
Mecklenburger Backstuben verlassen Güstrow nach 15 Jahren
Am Sonntag, dem 22. März, wird in der großen Filiale der Mecklenburger Backstuben am Güstrower Markt zum letzten Mal Brot und Kuchen verkauft. Die Filialleiterin, die seit 15 Jahren an diesem Standort arbeitet, zeigt sich „sehr traurig“ über die Schließung. Geschäftsführerin Christina Kohn erklärt jedoch, dass alle Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze behalten.
Die Filiale zieht nach Warnemünde in das markante Lotsenhaus am Strom um. Das Unternehmen mit Sitz in Waren erhofft sich dort deutlich mehr Kundenzulauf. In Güstrow sei die Situation zuletzt schwierig gewesen, besonders während der monatelangen Sperrung des Marktplatzes im Zuge der Sanierung. „Mit der Markteröffnung im Mai wollten wir es zumindest noch ein Jahr lang versuchen“, sagt Kohn. Allerdings sei der Mietvertrag letztlich nicht verlängert worden.
Esprit gibt Standort nach 13 Jahren auf
Gegenüber der Backstuben-Filiale läuft der Räumungsverkauf der Modekette Esprit. Die deutschlandweit von Filialschließungen betroffene, insolvente Kette gibt nach 13 Jahren auch ihren Standort in Güstrow auf. Für Filialleiterin Ute Kasper und ihre beiden Mitarbeiterinnen endet damit ein Kapitel. „Das stimmt uns traurig. Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht“, sagt sie.
Marktsanierung setzt Händlern schwer zu
Die Sanierung des Güstrower Marktes hat vielen Geschäften erhebliche Probleme bereitet. Katharina Kaden, Inhaberin des Geschäfts „Inselliebe“ in der Domstraße, berichtet, dass ihr während der Bauzeit etwa die Hälfte der Stammkundschaft weggebrochen sei. Beinahe hätte sie aufgegeben. Inzwischen hat sie mit einem neuen Konzept unter dem Namen „Mein Saltkrokan“ einen Neustart gewagt.
Mit der geplanten Wiedereröffnung des Marktplatzes im Mai verbinden viele Händler und Besucher Hoffnungen. Kundin Kathrin Ohde, die über den derzeit noch leeren Markt bummelt, zeigt sich optimistisch: „Mit der Wiederbelebung des Markts wird das schon wieder.“ Ihre Begleiterin Ingrid Niemann sieht die Lage etwas kritischer. Neben der Baustelle spielten auch andere Entwicklungen eine Rolle.
„Ich erinnere mich, vor einigen Jahren hatte eine alte Dame neben dem Ratskeller noch ein kleines Schuhgeschäft. Ihr haben die vielen Internetkäufe sehr zugesetzt. Wenn noch mehr schließt, werden wir vielleicht irgendwann sagen: Hätten wir mal öfter in den kleinen Geschäften eingekauft“, sagt sie nachdenklich.
Förderprogramm zeigt nur begrenzte Wirkung
Um die Innenstadt zu beleben, hat die Stadt Güstrow ein Förderprogramm für den Einzelhandel aufgelegt. Nach Angaben der Stadt haben bislang 16 kleinere inhabergeführte Geschäfte – darunter mehrere in der Hageböckerstraße – Investitions- und Mietzuschüsse erhalten. Zwei weitere Anträge liegen vor.
Allerdings mussten vier geförderte Betriebe bereits nach weniger als einem Jahr wieder schließen oder ihr Geschäft stark einschränken. In diesen Fällen wurden Fördermittel gestoppt. Zudem wurden bereits ausgezahlte Mittel ganz oder teilweise zurückgefordert.
„Dat Backhus“ bleibt als Hoffnungsträger
Unterdessen kursieren auch Gerüchte über weitere mögliche Schließungen in der Innenstadt. So wird immer wieder über ein Aus von „Dat Backhus“ am Pferdemarkt gesprochen. Filialleiterin Nicole Grammann widerspricht dem jedoch. „Der Laden muss glücklicherweise nicht schließen“, stellt sie klar. Dennoch spüre auch ihre Filiale Veränderungen im Umfeld.
Während der Marktsanierung fand der Wochenmarkt am Pferdemarkt statt und brachte zusätzliche Kundschaft. Mit der Rückkehr des Marktes auf den sanierten Platz könnte sich das wieder ändern. „Schön wäre, wenn das Markttreiben künftig auch auf den Pferdemarkt ausgeweitet wird“, sagt Grammann. Außerdem habe sich die Situation rund um den Standort verändert. „Wir haben viel weniger Fluktuation“ stellt Grammann fest. „Die Post existiert nicht mehr, der Modeladen schräg gegenüber räumt leer. Wir hoffen nun auf die Touristen.“



