Güstrower Archive im Wandel: Neue Räume für historische Dokumente
In Güstrow vollzieht sich derzeit ein bedeutender Wandel für die Bewahrung der regionalen Geschichte. Während das Kreisarchiv mit einer Sonderausstellung auf den bevorstehenden Tag der Archive aufmerksam macht, bereitet sich das Stadtarchiv auf einen umfangreichen Umzug in ein außergewöhnliches Gebäude vor: den historischen Feuerwehr-Schlauchturm.
Kreisarchiv zeigt Ausstellung in ehemaliger Turnhalle
Dr. Anselm Pell, Leiter des Sachgebietes Kreisarchiv, erläutert den besonderen Standort: „Das Kreisarchiv am Standort Güstrow war früher mal die Turnhalle der John-Brinckman-Oberschule.“ Gemeinsam mit Kollegen aus dem Stadtarchiv hat das Team die Ausstellung „Bewahrte Heimat - Archive im Wandel der Zeit“ erarbeitet, die pünktlich zum 13. Tag der Archive am 7. und 8. März unter dem Motto „Alte Heimat - Neue Heimat“ präsentiert wird.
In dem großen Magazinraum, der bei der Sanierung der alten Turnhalle mit einem Trennboden ausgestattet wurde, lagern heute Dokumente aus den einstigen Archiven der Kreise Güstrow, Bützow und Teterow. Diana Paschmann, Mitarbeiterin des Kreisarchivs, weist jedoch auf historische Lücken hin: „Weil fachfremde Personen die Archive leiteten und die Lagerung in alten Baracken erfolgte, war die Qualität von Archiv zu Archiv sehr unterschiedlich.“
Dr. Anselm Pell benennt auch aktuelle Herausforderungen: „Der Magazinraum ist zu hell, zu klein und es besteht auch keine Barrierefreiheit.“ Dennoch bewahrt das Archiv wertvolle Bestände wie die Güstrower Zeitung aus den Jahren 1851 bis 1879.
Stadtarchiv erhält modernen Standort im Schlauchturm
Während das Kreisarchiv noch mit Raumproblemen kämpft, erhält das Stadtarchiv Güstrow nun eine zukunftsweisende Lösung. Der bisherige Standort am Franz-Parr-Platz wird durch einen sanierten Feuerwehr-Schlauchturm ergänzt, in den das Archiv ab August sukzessive umziehen wird.
Alexandra Norgaard, Mitarbeiterin des Stadtarchivs, erklärt die neue Struktur: „Wir haben dann zwei Standorte in Güstrow, denn die Magazinräume am Franz-Parr-Platz bleiben erhalten.“ Vor allem historisch wertvolle Dokumente wie Justiz- und Polizeiakten werden in den Schlauchturm verlagert, der auf fünf Ebenen modernste Archivierungsbedingungen bieten wird.
Christian Simon, ebenfalls Mitarbeiter des Stadtarchivs, ergänzt: „Das wird der Hauptstandort, weil dort dann die modernsten Bedingungen herrschen und zudem Büroräume geschaffen werden.“ Die neuen Räumlichkeiten sollen die Kapazitäten für die kommenden 30 Jahre sichern, da die Archivbestände kontinuierlich wachsen.
Fünf Millionen Euro Investition und digitale Zukunft
Güstrows Bürgermeister Sascha Zimmermann beziffert die Investition in die Sanierung des Schlauchturms auf rund fünf Millionen Euro. „Der Schlauchturm habe lange Zeit leer gestanden und erhalte mit dem Archiv nun wieder eine sinnvolle Nutzung“, betont der Bürgermeister. Besonders praktisch ist die Nähe zum Kinderkunsthaus, das vor kurzem um eine Etage erweitert wurde und einen Lesesaal für Archivbesucher bereitstellen wird.
Die Archivmitarbeiter blicken bereits in die digitale Zukunft. Sowohl das Stadt- als auch das Kreisarchiv planen, ihre Bestände online zugänglich zu machen. Dr. Anselm Pell möchte Zeitungsbestände wie die Güstrower Zeitung über die digitale Bibliothek MV veröffentlichen, während Diana Paschmann ergänzt: „Wir wollen künftig auch eine eigene Webseite gestalten und uns darauf als Kulturplattform präsentieren.“
Mit diesen Maßnahmen sichern die Güstrower Archive nicht nur die physische Bewahrung historischer Dokumente, sondern öffnen die regionale Geschichte auch für eine breite Öffentlichkeit – sowohl vor Ort im sanierten Schlauchturm als auch zukünftig im digitalen Raum.



