Rostocks Wahrzeichen in Not: Kröpeliner Tor benötigt umfangreiche Sanierung
Das Kröpeliner Tor, eines der bedeutendsten Wahrzeichen Rostocks, steht vor einer umfassenden und komplexen Sanierung. Nach einer detaillierten Schadenskartierung zeigt sich das Ausmaß der Schäden deutlich gravierender als ursprünglich angenommen. Etwa 30 Prozent der historischen Steine des aus dem 13. Jahrhundert stammenden Stadttors sind defekt und müssen ersetzt werden.
Umfang der Schäden übertrifft Erwartungen
Vor genau einem Jahr löste sich ein Stein aus der Fassade des 54 Meter hohen Baudenkmals und stürzte in die Fußgängerzone. Dieses Ereignis führte zur vollständigen Absperrung und schließlich zur kompletten Einrüstung des Tors im September 2025. Die nun vorliegenden Untersuchungsergebnisse sind alarmierend: Bis zu 20.000 Steine müssen ausgetauscht werden, was einen erheblichen Eingriff in die historische Substanz bedeutet.
Neben den Fassadenschäden bereitet auch der Dachbereich erhebliche Probleme. Der Dachstuhl des Tors muss möglicherweise komplett erneuert werden, und die Dachentwässerung ist bereits als Ursache für Teile der Fassadenschäden identifiziert worden. Diese muss ebenfalls ausgetauscht werden, um zukünftige Schäden zu verhindern.
Qualität vor Geschwindigkeit bei der Sanierung
Für Sigrid Hecht, Leiterin des zuständigen Eigenbetriebs Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hansestadt Rostock (KOE), steht bei diesem Projekt die Qualität der Sanierung eindeutig im Vordergrund. „Es geht nicht um Zeit, sondern um Qualität“, betont Hecht. „Schließlich handeln wir hier von der Erhaltung eines der schönsten Denkmäler in Rostock. Da werden wir uns die Zeit nehmen, die wir brauchen.“
Die denkmalgerechte Sanierung stellt besondere Anforderungen an Material und Handwerk. Jeder Ersatzstein ist eine Sonderanfertigung und muss exakt zu den erhaltenen Originalsteinen passen, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten. Bundesweit gibt es nur noch wenige Brennereien, die solche historischen Steine mit dem entsprechenden Material herstellen können.
Komplexe Planung und unklare Zeitrahmen
Noch in dieser Woche beginnen umfangreiche Materialuntersuchungen an der Fassade, die etwa zwei Wochen dauern sollen. Dabei werden Proben von Steinen, Fugen und Mörtel entnommen und im Labor analysiert. Erst nach Abschluss dieser Untersuchungen kann mit der Ausschreibung für die Sanierungsarbeiten begonnen werden.
Sigrid Hecht hofft, ein geeignetes Unternehmen für diese anspruchsvolle Aufgabe zu finden. „Wenn wir das geschafft haben, könnten wir im August oder September anfangen, das Tor zu reparieren“, sagt sie. Allerdings ist der genaue Zeitrahmen für die gesamte Sanierung noch völlig unklar. Vergleichbare Projekte wie die Sanierung des historischen Wasserturms im Bahnhofsviertel haben bereits mehrere Jahre in Anspruch genommen.
Kosten noch nicht abschließend kalkulierbar
Die finanziellen Auswirkungen der Sanierung sind derzeit noch nicht vollständig überschaubar. Bisher hat der KOE 3,5 Millionen Euro für die Sanierung des Baudenkmals eingeplant. Konkrete Kostenschätzungen sind jedoch erst möglich, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind und ein passendes Unternehmen für die Durchführung der Arbeiten gefunden wurde.
Das übergeordnete Ziel der Sanierung formuliert Sigrid Hecht deutlich: „Man darf dem Kröpeliner Tor nicht ansehen, dass es saniert worden ist, wenn das Gerüst wieder abgenommen wird. Das ist unser Anspruch.“ Die Hansestadt Rostock will mit dieser aufwendigen Sanierung ihr historisches Erbe bewahren und das Wahrzeichen für zukünftige Generationen erhalten.



