Magdeburger Tüftler begeistert mit selbstgebautem Mini-Camper für E-Bike
Wenn Marco Düsterhöft mit seinem E-Bike durch die Landschaft radelt, zieht er unweigerlich Blicke auf sich. Der 56-jährige Magdeburger hat an seinem Fahrrad einen wahrhaft einzigartigen Anhänger befestigt: einen komplett selbstgebauten Mini-Camper, in dem er sogar übernachten kann.
Ein mobiles Zuhause auf zwei Rädern
Der Miniwohnanhänger misst zwei Meter in der Länge, 83 Zentimeter in der Breite und 135 Zentimeter in der Höhe. „Die Menschen sind oft neugierig und stellen viele Fragen zur Größe, zum Gewicht und zu den Kosten“, erzählt Düsterhöft lachend. „Etwa jeder Zehnte fragt außerdem auf Social Media, ob ich ihm einen solchen Camper bauen und verkaufen kann.“
Pandemie als Initialzündung für das Projekt
Die Idee für den eigenen Camper beschäftigte ihn schon lange, doch erst während der Corona-Pandemie setzte er seinen Plan um. Zu dieser Zeit verschlechterte sich die Auftragslage seiner Film-Medienproduktionsfirma, und Reisebeschränkungen motivierten ihn zum Handeln. Inspiriert vom Amerikaner Paul Elkins, der Fahrradanhänger für Obdachlose entwarf, begann Düsterhöft mit dem Bau.
Er tauschte sich intensiv mit Gleichgesinnten wie Rene Kreher aus Leipzig aus und entschied sich für zehn Quadratmeter XPS-Platten (Hartschaum-Dämmplatten) im Wert von 80 Euro. Diese Materialien sind leicht, stabil und wärmedämmend. Er baute Fenster und eine Tür ein und installierte ein Solarpanel auf dem Dach, um sich energetisch unabhängig zu machen. Das Untergestell mit Rädern stammte ursprünglich von einem Kinderfahrradanhänger.
Solarenergie für Komfort im Mini-Camper
Mit dem Solarpanel kann der abenteuerlustige Magdeburger eine 12-Volt-Heizdecke betreiben und gleichzeitig Strom für Licht, einen Wasserkocher sowie Ladegeräte für Kamera und Handy erzeugen. Im Winter, wenn die Sonne nicht scheint, lädt er die Akkus zu Hause regelmäßig auf. Derzeit überlegt er, einen Miniofen einzubauen, doch der Platz im Camper ist dafür sehr begrenzt.
Gemeinschaft und neue Pläne
Mit seinem Camper ist Düsterhöft häufig in der Umgebung von Magdeburg unterwegs, manchmal für drei bis vier Tage. Beim 1. Fahrradwohnwagentreffen 2021 in der Nähe von Gera traf er auf viele Gleichgesinnte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das nächste Treffen ist bereits für den 20. bis 23. August am Mondsee bei Zeitz geplant.
Doch der Tüftler hat bereits neue Pläne: „Das Leben im Camper macht Spaß und wirkt befreiend, aber meine Knochen spüren das Krabbeln im engen Raum deutlich“, erklärt er realistisch. Deshalb plant er jetzt ein größeres Modell, das seiner Frau Claudia und der gemeinsamen Hündin Mika ausreichend Platz bietet. Er denkt über eine Schubladenfunktion nach, um den Komfort zu erhöhen, und plant eine Liegefläche von 1,40 Meter mal 2,00 Meter.
Minimalistisches Reisen für 300 Euro
Claudia Düsterhöft teilt von Anfang an die Leidenschaft für die Natur. Im Rahmen einer Challenge bewiesen die Düsterhöfts, dass ein Minicamper für maximal 300 Euro gebaut werden kann. Innerhalb von drei Wochen konstruierten sie einen Camper aus Styrodur, einer OSB-Platte, Auslegware und Farbe – in Rosa.
Doch die Realität holte sie schnell ein: Claudia konnte die Enge im Minicamper nicht ertragen. „Selbst die geöffnete Tür half ihr nicht“, erinnert sich ihr Mann. „Die Nacht wurde für sie zum Horror.“ Jetzt setzen beide auf das neue, ausziehbare Modell, das mehr Freiraum bieten soll.
Weltweite Aufmerksamkeit durch Social Media
Der handwerklich begabte Magdeburger zieht mit seinen Abenteuern weltweit die Aufmerksamkeit auf sich. Menschen aus Kanada, Pakistan, Russland, Argentinien und vielen anderen Ländern verfolgen seine kreativen Projekte auf Social-Media-Kanälen. „Täglich schreiben mir unzählige Menschen aus aller Welt. Ich komme gar nicht dazu, alle Anfragen zu beantworten“, gesteht er.
Viele seiner Beiträge erreichen 10.000 bis mehrere 100.000 Klicks. Ein besonders erfolgreiches Video, in dem er mitten im Schnee campiert und sich eine Tasse Kaffee brüht, wurde innerhalb von zwei Monaten von zehn Millionen Menschen angesehen.
Philosophie des einfachen Lebens
Obwohl ihm das Erstellen der Videos Spaß macht, steckt viel harte Arbeit dahinter. Düsterhöft betreibt seit mehr als 30 Jahren eine eigene Filmproduktionsfirma und weiß, wie aufwendig die Produktion kurzer Social-Media-Videos ist. „Was in Wirklichkeit vielleicht zehn Minuten dauert, erscheint im Video als Sequenz von fünf Sekunden“, erklärt er.
In diesem Sommer planen Marco und Claudia Düsterhöft eine Reise nach Rügen, wo sie ein Ferienhaus gemietet haben. Daneben verbringen sie gerne Zeit in ihrem Rückzugsort im Harz, in einer Hütte ohne Strom und fließendes Wasser.
Marco Düsterhöft begeistert mit seiner Vorliebe für das Einfache und Ursprüngliche viele Menschen und motiviert sie, den Luxus des Minimalismus zu entdecken. Seine Philosophie bringt er auf den Punkt: „Der Weg ist das Ziel.“



