Mittelgroße Städte erleben Innenstadt-Boom
Durch die Innenstadt bummeln, in Schaufenster schauen und stöbern – diese klassischen Aktivitäten erleben in Deutschland eine überraschende Renaissance. Aktuelle Daten belegen, dass vor allem mittelgroße Städte einen deutlichen Besucheransturm in ihren Zentren verzeichnen. Die Analyse zeigt, dass sich das Einkaufserlebnis in den Innenstädten nach wie vor großer Beliebtheit erfreut und sogar an Attraktivität gewinnt.
Messung durch Laserscanner-Technologie
Das Unternehmen hystreet.com GmbH hat in über 350 deutschen Städten die Passantenfrequenz in den zentralen Einkaufsstraßen gemessen. Mithilfe von stationären Laserscannern erfassten die Experten, wie viele Menschen tatsächlich die Innenstadtlagen besuchen. Diese absolute Besucherzahl wurde anschließend durch die jeweilige Einwohnerzahl der Stadt geteilt, um vergleichbare Kennzahlen zu erhalten.
„Das Ergebnis zeigt, wie oft eine Lage im Verhältnis zur eigenen Einwohnerzahl besucht wird. Um faire Vergleiche zu ermöglichen, werden die Standorte in regionale Größenklassen eingeteilt“, erklärt Geschäftsführer Nico Schröder das methodische Vorgehen.
Spitzenreiter Aachen und Ravensburg
Die Auswertung für das Jahr 2025 offenbart klare Gewinner: Die Innenstadt von Aachen (Adalbertstraße) konnte mit einem Zuwachs von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr den größten relativen Anstieg verzeichnen. Dies entspricht einer zusätzlichen Million Besucher in der nordrhein-westfälischen Stadt.
Den größten absoluten Anstieg in der Kategorie der Städte mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern erzielte Ravensburg (Bachstraße) mit einem Besucher-Plus von 6,6 Prozent. Diese positiven Entwicklungen zeigen deutlich, dass sich Investitionen in die Innenstädte auszahlen können.
Erfolgsfaktoren und Herausforderungen
In Ravensburg haben laut den hystreet-Experten gezielte Maßnahmen wie Verbesserungen der Erreichbarkeit und strategisches Marketing zu den positiven Ergebnissen beigetragen. In Aachen wurde die Innenstadt durch eine spezielle Taskforce aufgewertet und attraktiver gestaltet.
Allerdings stehen die Innenstädte und Händler weiterhin vor strukturellen Herausforderungen. Steigende Kosten und veränderte Konsumgewohnheiten erfordern kontinuierliche Anpassungen. Die kleinsten Städte mit bis zu 50.000 Einwohnern verzeichneten sogar einen leichten Rückgang der Innenstadt-Besucher.
Top-Innenstädte nach Größenklassen
Die detaillierte Auswertung nach Einwohnerzahlen zeigt folgende Spitzenreiter:
- Unter 50.000 Einwohner: Limburg (Werner-Senger-Straße), Bad Mergentheim (Burgstraße), Eutin (Markt)
- 50.000–100.000 Einwohner: Ravensburg (Bachstraße), Passau (Ludwigstraße), Bamberg (Grüner Markt)
- 100.000–250.000 Einwohner: Ulm (Hirschstraße), Heidelberg (Hauptstraße), Saarbrücken (Bahnhofstraße)
- 250.000–600.000 Einwohner: Hannover (Georgstraße), Wiesbaden (Kirchgasse), Bielefeld (Bahnhofstraße)
- Über 600.000 Einwohner: Stuttgart (Königstraße), Frankfurt am Main (Zeil), Dortmund (Westenhellweg)
Die meisten großen Städte präsentieren sich stabil oder mit leichten Zuwächsen, während bei den Mittelstädten überwiegend positive Tendenzen zu beobachten sind. Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltende Bedeutung attraktiver Innenstädte für das städtische Leben und den Einzelhandel in Deutschland.



